Mehrere hunderttausend Menschen in Österreich kämpfen laut Experten mit den Langzeitfolgen einer Corona-Infektion. Anlässlich des Long Covid Awareness Day am 15. März schlagen Betroffeneninitiativen nun Alarm – sie sprechen von unzureichender medizinischer Versorgung und fehlender sozialer Absicherung.
Die Initiative "MUT – ME: Unterstützung und Teilhabe" kritisiert die aktuelle Situation scharf. "In Österreich leiden inzwischen mehrere hunderttausend Menschen an den Langzeitfolgen einer Corona-Infektion. Doch bis heute ist die medizinische Versorgung völlig unzureichend und von sozialer Absicherung kann keine Rede sein", sagt Sandra Steinmüller von MUT.
Besonders hart fällt die Kritik an Politik und Sozialversicherung aus. Betroffene würden laut Initiative häufig Schwierigkeiten bei Sozialleistungen haben. "Wer schwer kranken Menschen gesetzlich zustehende Leistungen mit fadenscheinigen Begründungen verweigert, handelt entweder ignorant oder boshaft", so Steinmüller.
Um auf die Situation aufmerksam zu machen, ruft die Initiative für Sonntag, 15. März, um 15 Uhr zu einer Kundgebung vor dem Parlament in Wien auf. Unterstützt wird die Demonstration von zahlreichen Organisationen und Initiativen.
Die Aktivisten fordern unter anderem eine bessere medizinische Versorgung und eine verlässliche soziale Absicherung für Erkrankte. Als kurzfristige Maßnahme schlägt MUT einen Sofort-Härtefonds für Long-Covid- und ME/CFS-Betroffene vor.
Erst Anfang Februar sorgte der Fall eines 22-Jährigen aus Niederösterreich für Schlagzeilen. Der junge Mann litt an einer schweren ME/CFS-Erkrankung, die nach mehreren Covid-Infektionen auftrat, und entschied sich schließlich für assistierten Suizid.
"An einer postviralen Erkrankung zu leiden heißt im schlimmsten Fall, dass man nur mehr im dunklen Zimmer liegen kann – von allen Reizen abgeschottet", erklärt Christina Vanek von MUT, die selbst an ME/CFS nach einer Corona-Infektion leidet.
Der Long Covid Awareness Day wurde 2023 ins Leben gerufen, um auf die Langzeitfolgen der Pandemie aufmerksam zu machen. Laut einer Studie der MedUni Wien aus dem Jahr 2022 berichten rund 19 Prozent der Corona-Erkrankten in Österreich von anhaltenden Symptomen.
Schätzungen zufolge sind mehrere hunderttausend Menschen von Long Covid betroffen. In besonders schweren Fällen kann daraus die Multisystemerkrankung ME/CFS entstehen. Die MedUni Wien geht von rund 75.000 Betroffenen in Österreich aus. Etwa 20 Prozent davon sind bettlägerig, mehr als die Hälfte kann nicht mehr arbeiten.
"Für viele Menschen war der Tag vor ihrer Corona-Infektion der letzte gesunde Tag ihres Lebens", sagt Jana Winter von Long Covid Austria. Der Alltag vieler Betroffener sei heute geprägt von Schmerzen, Konzentrationsproblemen und extremem Energiemangel.
Mit der Kundgebung wollen Betroffene und Unterstützer nun ein klares Zeichen setzen: Politik und Gesellschaft sollen das Thema Long Covid nicht länger ignorieren.