Erst die Käse-Skandale, dann der Protz. Jahrelang empörten sich unzufriedene Kunden, die Schilderungen waren oft ähnlich: Aus 100 bis 200 Gramm bunten Käse machte ein Verkäufer "irrtümlich" bis zu 600, der Preis wurde so schnell dreistellig.
An Crazy-Cheese-Gründer Roland Ludomirska prallte jegliche Kritik einfach ab. Auf Social Media protzte er mit seinem Luxus-Leben im Überfluss, postete aus dem Privatjet, landete per Helikopter im "Forsthaus Rampensau", warf dabei mit Käse, 500-Euro-Scheinen und Champagner um sich.
Im Juli dann die brisante Wende: Die Crazy-Cheese-Gesellschaften sind insolvent, wurden geschlossen und sollen nicht weitergeführt werden. Hunderttausenden Euro Schulden sollen nur rund 30.000 Euro Vermögen gegenüberstehen, schuld die Corona-Pandemie sein. Sämtliches Inventar inklusive Käse werden aktuell versteigert, am 24. August gibt es die Zuschläge.
Ludomirskas selbst entging hingegen der Privatinsolvenz, leidet aber trotzdem plötzlich an Geldnot, wie er gegenüber "Heute" gestand. Zuletzt sorgte er als Teilnehmer des Realityformats "Villa der Versuchung" für Schlagzeilen, wo er sich zwar deutlich bodenständiger gab, aber auch mit Satansbratan in einen erbitterten Streit geriet.
Der Traum des 57-Jährigen: Mit solchen Auftritten hauptberuflich Geld verdienen. Als Nächstes würde er gerne ins Dschungelcamp, wenn das nicht klappt, entweder Yoga-Lehrer werden oder eines seiner "vielen Jobangebote" im Verkauf anzunehmen. "Vielleicht mache ich ja so etwas wieder." Konkret genannt wurde Einsätze etwa auf Messen.
Ein erstes Engagement dürfte sich schon aufgetan haben. Ein Foto zeigt bunte Käselaibe an einem Stand auf der Mühlviertler Erlebnismesse in Freistadt (OÖ). Hinter der Theke steht ausgerechnet der "Käse-Roland" höchstpersönlich, mit Brille auf der Nase konzentriert arbeitend.
Laut Ausstellerverzeichnis firmiert der Stand unter "STEIRISCHE LIEBE – Genuss Spezialitäten". Als E-Mail und Kontaktadresse wird allerdings auf "Crazy Cheese" verwiesen, auch der Standort liegt in Hart bei Graz – also genau dort, wo das Lager gerade zur Auktion ausgeräumt wurde.
Auf Anfrage von "Heute" stellt Roland Ludomirska klar, dass es sich jedoch um zwei rechtlich und wirtschaftlich voneinander zu trennende Unternehmen handelt. Besagter Stand werde von Frau Manuela Ludomirska betrieben, deren Firma nicht im Zusammenhang mit der insolventen Crazy-Cheese-Gesellschaft stehe.
"Die wirtschaftlichen und rechtlichen Verhältnisse dieser Gesellschaften sind daher klar von jenen von Steirische Liebe - Genuss Spezialitäten zu unterscheiden", heißt es weiter. "Frau Ludomirska verwendet ihren eigenen Stand und keine Gegenstände von Crazy Cheese und ist ein eigenständiges Unternehmen mit einer eigenständigen geschäftlichen Ausrichtung und einem komplett anderen Konzept." Der Schwerpunkt liege auf Spezialitäten aus der Steiermark, sowie unter anderem auf BIO-Käse aus Vorarlberg.
Und auch die Preisgestaltung ist durchaus anständig: Für 100 Gramm wird ein Preis unter zwei Euro ausgewiesen.