Die Aktie des US-Biotechkonzerns Moderna ist Mittwochnachmittag zeitweise um fast 160 Prozent nach oben geschossen. Auslöser waren neue Studiendaten zu einer möglichen Krebstherapie, die Moderna gemeinsam mit Merck entwickelt.
Der Grund ist Intismeran Autogene. Dahinter steckt eine experimentelle mRNA-Krebstherapie, die Moderna gemeinsam mit dem Pharmakonzern Merck entwickelt. Anders als ein Medikament von der Stange wird Intismeran individuell für jeden Patienten hergestellt.
Dafür wird eine Probe des Tumors untersucht. Die Forscher suchen nach Veränderungen, die für die Krebszellen des jeweiligen Patienten typisch sind. Aus diesen Infos wird eine spezielle mRNA hergestellt. Sie soll das Immunsystem darauf trainieren, Krebszellen besser zu erkennen und anzugreifen. Bis zu 34 solcher tumorspezifischen Merkmale werden dabei berücksichtigt.
Getestet wird Intismeran bei schwarzem Hautkrebs gemeinsam mit Keytruda, einer bereits eingesetzten Immuntherapie von Merck.
In einer großen Phase-3-Studie wurde die Kombination aus Intismeran und Keytruda mit Keytruda allein verglichen. Teilgenommen haben Patienten, deren Melanom zuvor vollständig operativ entfernt worden war.
Die Kombination erreichte das wichtigste Ziel der Studie: Das sogenannte rückfallfreie Überleben verbesserte sich statistisch signifikant und klinisch relevant. Vereinfacht geht es dabei um die Zeit, in der Patienten ohne Rückkehr der Erkrankung bleiben.
Dasselbe gelang bei einem weiteren wichtigen Studienziel. Die Zeit ohne Fernmetastasen verbesserte sich ebenfalls gegenüber einer Behandlung mit Keytruda allein. Wie groß der Vorteil genau ausfällt, haben Moderna und Merck bisher noch nicht veröffentlicht.
Die Ergebnisse sind besonders deshalb bemerkenswert: Nach Angaben der beiden Unternehmen handelt es sich um das erste positive Phase-3-Ergebnis einer individualisierten Neoantigen-Therapie und zugleich einer mRNA-basierten Krebstherapie. Die Daten könnten damit einen wichtigen Durchbruch für diese Form der Krebsbehandlung markieren.
Eine Zulassung bedeutet der Studienerfolg allerdings noch nicht. Die vollständigen Ergebnisse sollen bei einem internationalen medizinischen Kongress vorgestellt und anschließend mit den Zulassungsbehörden besprochen werden. Die Studie läuft zudem weiter, unter anderem um zu untersuchen, wie sich die Behandlung auf das Gesamtüberleben auswirkt.
Moderna und Merck untersuchen Intismeran inzwischen weit über schwarzen Hautkrebs hinaus. Das Entwicklungsprogramm umfasst derzeit neun Phase-2- und Phase-3-Studien. Darunter befinden sich Untersuchungen bei Lungen-, Blasen- und Nierenkrebs.