Schlumberger-Chef Florian Czink (45) richtet in einem aktuellen Interview im "Kurier" ein knallhartes Schlaglicht auf Österreichs Wirtschaft. Auch seine Sektkellerei leide unter sinkenden Umsätzen, steigende Kosten durch Inflation und Lohnerhöhungen.
"Der Wirtschaftsstandort Österreich ist ein teurer. Das spüren immer mehr Firmen. Es ist ein Teufelskreis." Als Unternehmen müsse man die steigenden Kosten an die Konsumenten weitergeben, doch die Bereitschaft der Kunden, das auch zu bezahlen, sinke.
"Da brennt wirklich der Hut", warnt Czink. Die Politik müsse rasch gegensteuern: "Das betrifft viele Unternehmen und wir wollen ja nicht, dass die in günstigere Länder abwandern."
Für Schlumberger schließt er das aus: "Österreich liegt in unserer Firmen-DNA. Wir werden immer mit österreichischen Trauben arbeiten." Das würden sich die Kunden auch erwarten. Bedeutungsschwangerer Nachsatz: "Aber bevor wir in eine wirtschaftliche Schieflage kommen würden, müssten wir natürlich alle Möglichkeiten abwägen."
Besonders die Lebensmittelpreise sind für die Sektkellerei ein Thema: "Weil die Regalpreise in Österreich zu hoch sind, kaufen Konsumenten hier fast nur in Aktion ein. Diese Aktionen sind teuer für die Industrie", erklärt der Schaumwein-Chef. Eine Möglichkeit könnten deshalb staatliche Einschränkungen von Rabatten sein, doch Czink zweifelt an, dass das das Problem lösen könnte. Dafür ist die Schieflage zu groß.
"Eigentlich sollte der sich der Markt dahin gehend stabilisieren, aber Österreich ist insgesamt sehr hochpreisig", beklagt er. Dazu sei das Produktionsvolumen im internationalen Vergleich niedrig während der Handel aufgrund der enormen Supermarktdichte hohe Margen abzwacke.
Sein Wunsch an die Regierung ist deshalb mehr Unterstützung für echte rot-weiß-rote Unternehmen: "Österreichische Betriebe leisten tagtäglich einen wesentlichen Beitrag zur Wertschöpfung und sichern Tausende Arbeitsplätze."
Allerdings würden hohe Lohnnebenkosten im internationalen Wettbewerb zu einem immer größeren Nachteil für Schlumberger: "Wir können mit den Budgets der internationalen Konzerne nicht mithalten. Deswegen gibt es in Österreich auch kaum mehr Sektproduzenten in unserer Größe."
Damit wieder mehr Geld in die Kassen sprudelt, will Czink deshalb auf Konsumentenseite mehr Bewusstsein für heimische Produkte schaffen. Beim Wein greifen die Kunden bereits lieber zu österreichischen Flaschen. Das will er nun auch im Schaumwein-Segment erreichen.