Hollywood verliert einen seiner schillerndsten Kostümbildner: Bob Mackie ist am Montag im Alter von 87 Jahren gestorben. Seinem Tod im Krankenhaus soll laut seinem langjährigen Designchef eine Lungenentzündung vorhergegangen sein.
In einer Mitteilung auf Instagram hieß es, er habe seine Lebenszeit voll ausgeschöpft und seinen Traum, Mode- und Kostümdesigner zu werden verwirklicht. "Das war alles, was er jemals tun wollte. Sein Genie und seine außergewöhnlichen Entwürfe werden für immer weiterleben und auch weiterhin Schönheit in diese Welt bringen." Mehr als sechs Jahrzehnte lang verstand Mackie es wie kaum ein anderer, Kleidung zur Show zu machen – spektakulär, provokant und immer mit einem gehörigen Schuss Glitzer.
Mackie wusste früh, dass ein Kostüm mehr sein kann als bloße Kleidung. Es konnte überraschen, provozieren, zum Lachen bringen oder einen Star innerhalb weniger Sekunden zur Ikone machen. Genau dieses Gespür wurde zu seinem Markenzeichen.
Seine Karriere nahm in den 1960er-Jahren in Hollywood ihren Anfang. Als Zeichner arbeitete er zunächst anderen Kostümbildnern zu. Dabei war er unter anderem an der Entwurfsskizze für jenes berühmte Kleid beteiligt, das Marilyn Monroe 1962 bei ihrem legendären Geburtstagsständchen für US-Präsident John F. Kennedy trug.
Seinen ganz eigenen Platz in der Popgeschichte eroberte Mackie mit der "Carol Burnett Show". Über mehr als ein Jahrzehnt entwickelte er Kostüme, die nicht nur gut aussehen, sondern eine Pointe erzählen konnten.
Dort lernte er auch Cher kennen. Aus der Begegnung wurde eine jahrzehntelange Zusammenarbeit – und eine der berühmtesten Designer-Musen-Beziehungen der Popgeschichte. Für sie entwarf Mackie Kleider, die bis heute im kollektiven Gedächtnis geblieben sind. Besonders spektakulär waren seine mehrlagigen Kreationen: Schicht für Schicht konnte entfernt werden, bis plötzlich ein völlig anderes, oft deutlich freizügigeres Outfit zum Vorschein kam.
Zu seinen legendärsten Entwürfen zählt Chers sogenanntes "Nude-Look"-Kleid für die Met Gala 1974. Die transparente, mit glitzernden Details verzierte Kreation sorgte für Aufsehen – und schaffte es später sogar auf das Cover des "Time Magazine".
1986 setzte Cher bei der Oscar-Verleihung erneut auf Mackie. Das bauchfreie, opulent dekorierte Ensemble mit gewaltigem Kopfschmuck wurde zu einem jener Red-Carpet-Momente, die lange nachwirken.
Doch Mackies Einfluss reichte weit über Cher hinaus. Diana Ross, Tina Turner und Elton John gehörten ebenfalls zu den Stars, deren Bühnenbilder er entscheidend mitprägte. Seine Entwürfe verbanden Glamour mit Theatralik und ließen Körper, Bewegung und Persönlichkeit Teil der Inszenierung werden.
Gerade in einer Zeit, in der schwarze Künstlerinnen und schwule Männer in der amerikanischen Popkultur zunehmend sichtbarer wurden, entwickelte Mackie Looks, die Selbstbewusstsein demonstrierten und Konventionen bewusst ignorierten.
Sein Stil war extravagant – und wurde dafür nicht immer nur gefeiert. Kritiker störten sich an der Freizügigkeit und dem Übermaß seiner Entwürfe. Mackie blieb dennoch seiner Ästhetik treu.
Auch die Auszeichnungen sprechen für seinen Stellenwert. Mehr als 30 Emmy-Nominierungen erhielt Mackie, neunmal gewann er den Fernsehpreis. Für seine Kostümarbeiten wurde er zudem dreimal für einen Oscar nominiert.
2019 folgte ein Tony Award für das Broadway-Musical "The Cher Show". Mackie hatte längst bewiesen, dass sein Talent nicht an ein einziges Medium gebunden war: Fernsehen, Film, Musik, Theater und Mode wurden zu Bühnen für seine Fantasie.
Wie nachhaltig sein Einfluss ist, zeigt sich ausgerechnet bei jener Generation von Stars, die Jahrzehnte nach seinen großen Erfolgen auf seine Archive zurückgreift. Sabrina Carpenter trug eine Robe, die zuvor Madonna berühmt gemacht hatte. Zendaya erschien in einer Hommage an Chers berühmten "Nude-Look". Miley Cyrus griff auf ein Minikleid aus einer Mackie-Kollektion von 2002 zurück.
Bob Mackie hinterlässt nicht bloß Kleider. Er hinterlässt Bilder. Stars, die durch seine Entwürfe noch ein bisschen größer, frecher und unnahbarer wirkten.