Schwarze Kleider, zurückhaltende Hüte – und auffallend oft weiße Perlen: Wer bei einem royalen Begräbnis genauer hinsieht, entdeckt den Schmuck immer wieder. Auch beim Staatsbegräbnis von König Harald V. am Mittwoch in Oslo waren Perlen bei zahlreichen royalen Trauergästen zu sehen. Europas Königshäuser versammelten sich in der norwegischen Hauptstadt, um dem verstorbenen Monarchen die letzte Ehre zu erweisen.
Bei Beerdigungen soll Schmuck traditionell nicht von der eigentlichen Bedeutung des Tages ablenken. Große, farbenprächtige Edelsteine oder besonders auffällige Stücke können deshalb schnell zu extravagant wirken.
Weiße Perlen passen dagegen perfekt zur zurückhaltenden Trauerkleidung. Sie wirken elegant, aber nicht protzig – und haben in europäischen Königshäusern eine jahrzehntelange Geschichte als sogenannter "mourning jewellery", also Trauerschmuck. Doch warum ausgerechnet Perlen?
Die Spur führt ins 19. Jahrhundert und zu Queen Victoria. Als ihr geliebter Ehemann Prinz Albert 1861 starb, verfiel die britische Königin in tiefe Trauer. Für den Rest ihres Lebens trug sie überwiegend Schwarz und verzichtete weitgehend auf farbenfrohen Schmuck.
Zu den wenigen Schmuckstücken, die zu ihrer strengen Trauergarderobe passten, gehörten Perlen. Im viktorianischen Zeitalter wurden sie aufgrund ihrer Form und ihres sanften Glanzes symbolisch mit Tränen verbunden. Victoria trug noch Jahrzehnte nach Alberts Tod lange Perlenketten zu ihrer schwarzen Kleidung. Damit prägte sie eine Tradition, die sich tief in der royalen Trauerkultur verankerte.
Später wurden Perlen zu einem Markenzeichen von Queen Elizabeth II. – und auch bei Trauerfeiern blieb sie ihnen treu. Sie trug sie unter anderem bei den Begräbnissen von Prinzessin Diana, ihrer Schwester Prinzessin Margaret und ihres Vaters König George VI.
Die nächste Generation führt diese Tradition fort. Beim Begräbnis von Prinz Philip 2021 trug Catherine, Princess of Wales, ein vierreihiges Perlen-Diamant-Collier aus der königlichen Schmuckkollektion. Die darin verwendeten Perlen waren Queen Elizabeth II. in den 1970er-Jahren von der japanischen Regierung geschenkt worden. Beim Staatsbegräbnis der Queen 2022 griff Kate erneut zu bedeutungsvollen Perlen und trug Ohrringe aus dem Besitz der verstorbenen Monarchin.
Royaler Schmuck kann nicht nur Trauer symbolisieren, sondern zugleich an einen verstorbenen Menschen erinnern: Ketten, Broschen oder Ohrringe werden über Generationen weitergegeben. Wer bei einem Begräbnis ein Schmuckstück der Verstorbenen trägt, kann damit also eine sehr persönliche Verbindung zeigen.
Eine offizielle Vorschrift, nach der royale Frauen bei Begräbnissen zwingend Perlen tragen müssen, gibt es allerdings nicht. Vielmehr handelt es sich um eine über Generationen gewachsene Tradition. Und so sind die weißen Schmuckstücke im schwarzen Trauermeer bis heute mehr als bloße Accessoires: Sie stehen für Zurückhaltung, Erinnerung – und symbolisch für Tränen.