Bauern über Bürokratie-Irrsinn

"Die Behörden wollen uns mit allen Mitteln weghaben"

Thomas und Andreas Hubmann halten Schweine mobil. Doch ihr innovatives und tierwohlfreundliches Konzept sorgt in NÖ für jahrelangen Behördenstreit.
Newsdesk Heute
11.09.2026, 12:45
Loading...
Angemeldet als Hier findest du deine letzten Kommentare
Alle Kommentare
Meine Kommentare
Sortieren nach:

Kommentare neu laden
Nach oben
Hör dir den Artikel an:
00:00 / 02:45
1X
BotTalk

Thomas und Andreas Hubmann aus Sasendorf in Niederösterreich wollen zeigen, dass Schweinehaltung auch anders funktionieren kann. Seit einigen Jahren setzen die Brüder auf mobile Ställe. Die Tiere können jederzeit ins Freie, in der Erde wühlen und ihren natürlichen Instinkten nachgehen.

Doch genau dieses Konzept bringt die Landwirte nach eigener Darstellung seit Jahren in Konflikt mit Behörden. Thomas Hubmann beschreibt den Streit im Puls4-Interview mit einem Beispiel, das für ihn sinnbildlich für den gesamten Umgang mit ihrem Betrieb steht: "Begonnen hat es mit der Absurdität, dass unsere 1,25 Meter hohen schwarzen Platten, die als Umrandung dienen, das Landschaftsbild beeinträchtigen könnten."

"Heute" auf Google als bevorzugte Quelle festlegen

Laut Hubmann seien die Brüder verpflichtet worden, vor diese Platten einen drei Meter hohen Sichtschutzzaun zu errichten. Für den Schweinebauern war das der Punkt, an dem klar gewesen sei: "Die wollen uns mit allen Mitteln weghaben."

Auch Andreas Hubmann spricht von einem massiven Behördenaufwand. Inzwischen gehe es um "zigtausende Seiten" Bürokratie. Allein in einem Strafverfahren wegen behaupteter Grundwasserverschmutzung seien rund 1.200 Seiten angefallen. Das Verfahren wurde laut Darstellung später vom Landesverwaltungsgericht aufgehoben.

"Da greift man sich eigentlich auch auf’s Hirn und fragt sich, ob die Behörden nichts besseres zu tun haben als Leute zu schikanieren", sagt Andreas Hubmann.

Ein zentraler Streitpunkt ist aus Sicht der Brüder die Bauordnung in Niederösterreich. Die mobile Haltung überfordere die Behörden, meint Thomas Hubmann. "Ich könnte auf diesem selben Feld einen Vollspaltenstall errichten. Das ist absolut kein Problem, aber ein mobiles Zelt ist einfach ein Ding der Unmöglichkeit."

Für ihn geht es längst nicht mehr nur um den eigenen Hof. Die Probleme seien ein Zeichen dafür, wie schwer es innovative Ideen in Österreich hätten. Zu viele Auflagen würden neue Wege abwürgen, bevor sie sich durchsetzen könnten.

Trotz der jahrelangen Auseinandersetzungen wollen die Brüder weitermachen. Anfangs sei der Behördenstreit extrem frustrierend gewesen, mittlerweile hätten sie sich damit arrangiert. Kraft gebe ihnen vor allem die Unterstützung aus der Zivilgesellschaft, von Aktivisten und NGOs.

"Keine Nische für Bobos"

Auch Martin Balluch, Obmann des Vereins gegen Tierfabriken, stellt sich hinter das Modell. Er habe früher oft gehört, dass Schweine in Österreich klimabedingt nicht ganzjährig im Freien gehalten werden könnten. Nach mehreren Besuchen am Hof der Hubmanns sei er vom Konzept überzeugt.

Für Balluch ist die mobile Haltung keine Stilblüte. Er sieht darin eine massentaugliche Alternative zum Vollspaltenboden. Die Tiere hätten frische Luft, Sonne, Gatsch und Ablenkung. Seine Botschaft ist deutlich: "Das ist nicht eine Nische für Bobos. Das ist massentauglich und könnte den Vollspaltenboden flächendeckend ersetzen."

Auch für den Boden sehen die Beteiligten Vorteile. Durch den Schweinekot entstehe wertvoller Dünger auf den Feldern. Thomas Hubmann fasst es so zusammen: "Bei unserer Schweinehaltung entsteht keine Gülle. Unsere Schweine produzieren Kompost."

Von der Politik wünschen sich die Brüder nun ein klares Bekenntnis zu Innovationen, weniger Bürokratie und mehr Unterstützung. Ihr Ziel formulieren sie klar: "Wir brauchen Mut zur Freiheit, Bürokratieabbau und Steuererleichterung, um mit der Natur für unsere Kunden zu arbeiten. Für eine bessere Zukunft."

red,11.09.2026, 12:45
Weitere Storys