Risiko nimmt zu

"Die nächste Pandemie kommt" – Anschober warnt alle

Ex-Gesundheitsminister Rudi Anschober (65) fordert eine europaweite Aufarbeitung der Corona-Krise und sieht Österreich weiter gespalten.
André Wilding
15.04.2026, 14:22
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Die Corona-Pandemie ist zwar vorbei, ihre Folgen aber noch lange nicht: Ex-Gesundheitsminister Rudi Anschober blickt im "Standard" zurück - und fordert Konsequenzen für die Zukunft.

Bis heute beschäftigt ihn die Zeit im Krisenmodus intensiv. "Es vergeht auch heute kein Tag ohne Rückmeldungen zu meiner Arbeit während der Pandemie", sagt er in der Tageszeitung. Der Großteil sei positiv, doch auch "Beschimpfungen und Bedrohungen auf Plattformen" gehören für ihn dazu.

"So leid es mir tut..."

Für Anschober ist klar: Die Pandemie darf nicht einfach abgehakt werden. "Ich bin zutiefst davon überzeugt, dass wir eine seriöse wissenschaftliche Aufarbeitung brauchen werden, die europaweit durchgeführt werden soll", sagt Anschober im "Standard". Eine Schlüsselrolle sieht er beim European Centre for Disease Prevention and Control, das die Maßnahmen der Länder analysieren soll.

Denn für den 65-Jährigen steht fest: "Diese nächste Pandemie, so leid es mir tut, das sagen zu müssen, wird früher oder später kommen, davon bin ich überzeugt. Das Risiko steigt." Nationale Lösungen allein würden dabei nicht ausreichen.

"Jede Regierung hat Fehler gemacht"

Die heftigen Konflikte rund um Corona erklärt sich Anschober mit der Ausnahmesituation. "Diese Pandemie hat uns alle extrem herausgefordert", erklärt der ehemalige Gesundheitsminister im "Standard". Anfangs habe es noch breite Einigkeit gegeben, doch das habe sich schnell geändert.

"Aus einem relativ guten Start im Sinne eines solidarischen Vorgehens, als alle Parteien an Bord waren und gemeinsam Beschlüsse getroffen haben, ist relativ rasch eine parteipolitische Auseinandersetzung geworden", wird er in der Tageszeitung weiter zitiert.

Auch eigene Versäumnisse spricht er in dem "Standard"-Interview offen an. "Jede Regierung der Welt hat Fehler gemacht, auch die österreichische Bundesregierung, auch ich selbst." Besonders schwer wiege, dass Österreich nicht vorbereitet gewesen sei und vieles erst während der Krise aufgebaut werden musste.

Wendepunkt im Sommer 2020

"Das waren teilweise handwerkliche Fehler, der größte Fehler aber war, dass Österreich auf eine solche Krise schlicht nicht vorbereitet war. Wir mussten uns erst während der Pandemie alles erarbeiten, die Strukturen, auch gesetzliche Notwendigkeiten. Das ist unter enormem Zeitdruck passiert, daher ist einiges an handwerklichen Fehlern passiert. Das ist auch nicht verborgen geblieben", erklärt Anschober im "Standard".

Ein Wendepunkt sei im Sommer 2020 erreicht worden. "Uns ist es in diesem Sommer 2020 nicht gelungen, die unterschiedlichen Gruppen der Gesellschaft wieder zusammenzuführen. Da waren parteipolitische Einzelinteressen stärker. Das war der Ausgangspunkt und ab da ist dieser Bruch immer stärker geworden. Da war eine Dynamik, die nicht mehr zu stoppen war", sagt der ehemalige Gesundheitsminister.

Ab diesem Zeitpunkt sei die Spaltung immer größer geworden. Für die Zukunft fordert Anschober daher einen breiten Dialog. Nach einer wissenschaftlichen Aufarbeitung müsse man wieder miteinander ins Gespräch kommen und Vertrauen aufbauen.

"Müssen lernen, uns wieder zuzuhören"

"Wir müssen uns in den Gemeinden zusammensetzen, das Geschehene auf Basis der wissenschaftlichen Aufarbeitung besprechen, lernen, uns wieder zuzuhören und uns darum bemühen, diesen Spalt, der zweifellos da ist, wieder zu reduzieren", erklärt Anschober im "Standard".

Für den Ex-Minister ist klar: Ohne Aufarbeitung bleibt die Spaltung - und beim nächsten Mal wäre Österreich wieder unvorbereitet.

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