Schutzzone reicht nicht

Drogen-Hotspot bei U6-Station – Anrainer wollen Lösung

Rund um das Suchthilfezentrum "Jedmayer" bei der Gumpendorfer Straße gibt es seit Jahren Probleme. Am Dienstag fand eine Bürgerversammlung statt.
02.06.2026, 18:27
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Nächtlicher Lärm, Vandalismus, Müll, Drogen- und Alkoholkonsum belasten das Grätzl rund um die U6-Station Gumpendorfer Straße und das Suchthilfezentrum "Jedmayer" schon lange. Besonders die Anrainer des Fritz-Imhoff-Parks kämpfen seit Jahren mit Problemen – "Heute" berichtete mehrfach.

Im März setzte die Mariahilfer Bezirksvorsteherin Julia Lessacher (SPÖ) eine erste Maßnahme und ließ den Fritz-Imhoff-Park einzäunen und in der Nacht sperren. Seit 8. Mai gilt zudem rund um den Park und die U6-Station eine Schutzzone – die Polizei kann Personen wegweisen oder Betretungsverbote aussprechen. Heftig umstritten bleibt allerdings, ob diese Maßnahme das Problem löst oder nur verlagert.

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Anrainer wollen Antworten

Denn das "Jedmayer" ist und bleibt ein Anziehungspunkt für Drogenkranke: Laut ÖVP entfallen mehr als 72 Prozent aller Spritzenabgaben und knapp 82 Prozent aller Spritzentauschkontakte auf das Mariahilfer Suchthilfezentrum. Wiens Sucht- und Drogenkoordinator Ewald Lochner sprach sich dennoch für den Standort und gegen einen Umzug aus.

Am Dienstag waren nun die Anrainer bei einer lang geforderten Bürgerversammlung im Haus der Begegnung in Mariahilf am Wort. Behörden und Politik informierten über die aktuelle Situation, mögliche weitere Lösungen wurden diskutiert. Die Anrainer erhofften sich konkrete Antworten auf ihre Anliegen. Vorab kam "Heute" ins Gespräch mit zahlreichen Betroffenen. Was sie erzählen, zeichnet ein klares Bild.

"Teilweise wirken sie wie halbtot"

Vittorio Rossi (56) lebt seit November in der Gegend rund um die Gumpendorfer Straße. "Ich bin bewusst hierhergezogen und wusste natürlich, worauf ich mich einlasse." Trotzdem sehe er regelmäßig Szenen, die weder für Kinder noch für ältere Menschen geeignet sind.

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Denise Auer

"Da liegen Menschen mit Spritzen herum, teilweise wirken sie wie halbtot. Ich bin charakterlich stark und kann damit umgehen, aber viele andere belastet das enorm." – Vittorio Rossi (56).

Pärchen will "größeres Angebot" für Suchtkranke

"Ich beobachte die Situation sehr genau, weil sie durchaus schwierig ist. Ich war nie gegen die Errichtung der Einrichtung und war sogar bei der Eröffnung dabei. Grundsätzlich halte ich das Angebot für wichtig, allerdings gibt es im Alltag immer wieder Herausforderungen. Fallweise werden etwa Eingänge oder Zugänge zu den U-Bahn-Stationen durch Dealer und Suchtkranke blockiert", erzählt ein weiterer Anrainer, der gemeinsam mit seiner Partnerin anonym bleiben möchte.

Das Pärchen ist der Meinung, dass es mehr Räume geben sollte, in denen Süchtige unter Aufsicht konsumieren können. Als Beispiel nennt er die Schweiz - dort gibt es dafür bereits erfolgreiche Modelle, an denen man sich orientieren könnte.

Wiener meidet U6-Station bewusst

Ein weiterer Anrainer erzählt gegenüber "Heute", er fühle sich in der Gegend mittlerweile unsicher. "Manchmal sehe ich Menschen, die sich in der Nähe meines Hauses Drogen spritzen. Auch die Verschmutzung ist ein großes Thema – vor allem rund um Toilettenanlagen und öffentliche Bereiche."

Ihn interessiert vor allem, was künftig unternommen wird: "Ich wohne nur wenige Meter entfernt und fühle mich mittlerweile sehr unsicher." Die U-Bahn benutze er gar nicht mehr, stattdessen gehe er lieber zu Fuß zum Westbahnhof.

Pensionist nimmt lieber Bim

"Zum Lidl im Durchgang komme ich oft gar nicht mehr richtig hin. Dort halten sich ständig Menschen auf, die den Bereich verschmutzen. Einkaufen wird dadurch zunehmend mühsam", schildert Fritz (78). Auch die U-Bahn-Station meide er mittlerweile. Stattdessen fährt der Ur-Wiener mit der Straßenbahn zum Westbahnhof und steigt dort erst in die U-Bahn ein.

Fritz (78) nimmt bewusst die Straßenbahn, wenn er zum Westbahnhof fahren will.
Denise Auer

Der Pensionist kennt die Problematik seit Jahrzehnten: "Schon vor 30 Jahren wurden meine Kinder hier auf der Straße angesprochen, ob sie Drogen kaufen wollen. Das Thema ist also nicht neu, aber viele Anrainer haben das Gefühl, dass die Situation wieder schlimmer geworden ist." Deshalb sei ihm die Teilnahme an der aktuellen Diskussion wichtig: "Wir wollen gehört werden. Genau deshalb sind wir heute hier."

Drogenabhängige schlafen in Stiegenhäusern

Eine Anrainerin erzählt im "Heute"-Talk, dass sich bei ihr im Haus immer wieder fremde Personen aufhalten. Manche übernachten sogar im Eingangsbereich oder in den Gemeinschaftsflächen. "Wenn ich in die Garage möchte, muss ich oft erst an ihnen vorbei oder über ihre Sachen steigen", berichtet die Wienerin.

Das Treffen mit den Anrainern fand unter Ausschluss der Medien statt.
Denise Auer

Dabei wisse sie nie, in welchem Zustand die Personen sind: Haben sie Drogen konsumiert? Sind sie aggressiv? Tragen sie vielleicht sogar Waffen bei sich? Diese Ungewissheit sorgt bei ihr und ihren Nachbarn für ein ungutes Gefühl. "Man möchte sich in seinem eigenen Wohnhaus sicher fühlen."

Schutzzone allein reicht nicht

"Diese Versammlung war überfällig. Die Menschen vor Ort erleben seit Jahren, wie sich die Lage verschärft, während SPÖ und Neos die Probleme verharmlost oder ausgesessen haben", kritisieren Gerhard Hammerer, Obmann der ÖVP Mariahilf, und Felix Ofner, Obmann der ÖVP Rudolfsheim-Fünfhaus. Laut der Volkspartei weist das Gebiet rund um das "Jedmayer" die höchste Konzentration an Suchtmitteldelikten pro Einwohner in Wien auf.

Eine Schutzzone allein reiche nicht aus: "Wir brauchen auch eine Alkoholverbotszone und Videoüberwachung rund um die U6-Station Gumpendorfer Straße. Was an anderen Brennpunkten in Wien möglich ist, muss auch hier möglich sein", so Hammerer und Ofner weiter.

Wien braucht Gesamtkonzept

Darüber hinaus werden strukturelle Änderungen bei der Betreuung suchtkranker Menschen und der Ausgabe von Substitutionsmitteln gefordert: "Damit würde dem illegalen Handel ein wesentlicher Teil der Geschäftsgrundlage entzogen. Eine einzige Einrichtung kann nicht die Drogenprobleme einer Zwei Millionen Metropole schultern. Wien braucht endlich ein Gesamtkonzept statt weiterer Ausreden", so die beiden Lokalpolitiker abschließend.

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