Die EU-Kommission reagiert auf die Folgen des Iran-Kriegs: Wegen explodierender Preise bei Düngemitteln sollen Europas Bauern nun zusätzliche Unterstützung erhalten. EU-Agrarkommissar Christophe Hansen kündigte am Dienstag in Straßburg "gezielte Ausnahmehilfen" aus einer EU-Notfallreserve an.
In den kommenden Wochen will die Kommission außerdem ein weiteres Hilfspaket aus dem EU-Haushalt vorlegen. Damit sollen Ernteausfälle verhindert und steigende Lebensmittelpreise abgefedert werden.
"Ernährungssicherheit beginnt mit der Düngemittelsicherheit", sagte Hansen. Europa müsse bei der Produktion unabhängiger werden und mehr Dünger selbst herstellen.
Der Krieg im Iran hat den Weltmarkt stark unter Druck gesetzt. Länder der Golfregion zählen zu den wichtigsten Produzenten von Ammoniak, Schwefel und Harnstoff – alles zentrale Bestandteile für Dünger. Laut EU stammen fast ein Viertel des weltweiten Ammoniaks und Schwefels aus der Region.
Die EU diskutiert deshalb auch über weitere Maßnahmen. Dazu gehört die Abschaffung von Zöllen auf Düngemittel aus fast allen Ländern außer Russland und Belarus. Bauernverbände verlangen aber deutlich mehr Unterstützung.
Vor dem Europaparlament in Straßburg demonstrierten am Dienstag rund 130 Landwirte. Sie fordern einen großen Investitionsplan für europäische Düngerproduktion sowie Ausnahmen bei der geplanten CO2-Grenzabgabe auf Importe.
Forderungen, die auch der Österreichische Bauernbund unterstützt. Dessen Vorsitzende, Corinna Weisl, warnte bei der Kundgebung davor, dass der geplante CO2-Grenzausgleich CBAM die Kosten für Bauernfamilien zusätzlich erhöhen könnte. Die Mehrkosten würden am Ende bei den Lebensmittelproduzenten landen – und später auch bei den Konsumenten.
Der Bauernbund verlangt deshalb eine vorübergehende Ausnahme für Düngemittel beim CO2-Grenzausgleich sowie finanzielle Rückflüsse aus den EU-Einnahmen an die Landwirtschaft. Zudem brauche es mehr Investitionen in die europäische Düngerproduktion und stabile Lieferketten.
"Die Düngemittelkrise von heute darf nicht zur Lebensmittelkrise von morgen werden", warnten Weisl und Ex-Landwirtschaftsminister Nikolaus Berlakovich. Er ist Vizepräsident des europäischen Bauern-Dachverbands Copa-Cogeca.