Ein Funke, eine weggeworfene Zigarette oder sogar ein heißer Auspuff können derzeit ausreichen: Die anhaltende Hitze lässt Wiesen und Wälder in Wien immer weiter austrocknen. Die Feuerwehr mahnt deshalb zu besonderer Vorsicht und warnt vor einer weiterhin hohen Brandgefahr.
"Wir haben akut eine Waldbrandentstehungsgefahr", sagte Feuerwehrsprecher Christian Feiler in der ORF-Sendung "Wien heute".
Nicht nur Wälder bereiten den Einsatzkräften derzeit Sorgen. Laut Oberbrandrat Feiler kann auch ausgetrocknetes Gras schnell Feuer fangen. "Man merkt es ja vielleicht im eigenen Garten, dass das Gras schon dürr ist, schon braun ist", so Feiler.
Besonders Flächen ohne Schatten trocknen rasch aus. Unter diesen Bedingungen könne bereits eine achtlos weggeworfene Zigarette einen Brand verursachen. Wie ernst die Situation werden kann, zeigte sich erst am 4. August, als es in der Lobau großflächig brannte.
Waldbrände stellen die Feuerwehr gleich mehrfach vor Herausforderungen. Zusätzlich zu den hohen Temperaturen des Feuers müssen die Einsatzkräfte bei Sommerhitze schwere körperliche Arbeit in ihrer Schutzausrüstung leisten. Möglichkeiten, sich im Schatten abzukühlen, gibt es dabei häufig nicht.
Deshalb werden die Mannschaften laufend gewechselt und bekommen Erholungsphasen. "Ich glaube, es ist jeder im wahrsten Sinn des Wortes mit Feuereifer dabei", sagte Feiler. Um weiterhin konzentriert arbeiten zu können, müssten Feuerwehrleute aber regelmäßig aus dem Einsatz genommen werden.
Wie schnell sich ein Feuer ausbreitet, hängt unter anderem von Trockenheit, Wind und Bodenbeschaffenheit ab. Die Geschwindigkeit allein sieht Feiler jedoch nicht als größtes Problem.
Gefährlich sei vor allem, wenn ein Brand erst spät entdeckt werde. Ist das Feuer aus größerer Entfernung sichtbar, kann es bereits eine Dimension erreicht haben, in der es eine eigene Dynamik entwickelt.
In der Wiener Natur haben es die Einsatzkräfte häufig mit Bodenfeuern zu tun. Dabei kann das Feuer unter Moos weiterglimmen. Die Feuerwehr muss deshalb besonders genau vorgehen und teilweise sogar den Boden auflockern.
Besonders gefährlich sind Wipfelfeuer. Dabei breiten sich die Flammen von einer Baumkrone zur nächsten aus. Bodenmannschaften könnten dann "im wahrsten Sinne des Wortes vom Feuer überholt werden", sagte Feiler. In solchen Situationen sind andere Methoden notwendig, darunter das Anlegen von Schneisen.
Feiler appelliert angesichts der aktuellen Bedingungen an die Bevölkerung. In 80 bis 90 Prozent der Fälle sei der Mensch Auslöser eines Waldbrandes.
Er selbst habe erst kürzlich beobachtet, wie während der Fahrt eine Zigarette aus einem Fahrzeug geworfen wurde. "Das finde ich bei den Temperaturen echt schon respektlos". Unter den derzeitigen Bedingungen könne genau dadurch ein Feuer entstehen.
Auch Autos sollten nicht so abgestellt werden, dass ein heißer Auspuff mit hohem, trockenem Gras in Kontakt kommt.
Einen besonderen Rat hat Feiler zudem für Menschen, die in der Nähe eines Waldes wohnen. Sie sollten derzeit möglichst auf den Holzkohlegrill verzichten, "dass sie auch jetzt vielleicht nicht unbedingt zum Holzkohlegriller greifen, um einen Funkenflug zu verursachen, sondern vielleicht auch jetzt die Güte haben, doch auf Elektro oder auf den Nudelsalat umzusteigen."
Damit soll in der derzeit angespannten Situation jedes vermeidbare Risiko eines Funkenflugs reduziert werden.