Tierisch ungerecht

Eh schon Hitzestress - jetzt kommt auch noch der Jäger

In Österreich beginnt wieder die Jagdsaison auf Murmeltiere. Tierschützer schlagen Alarm und kritisieren vor allem die hohen Abschusszahlen.
Heute Tierisch
12.08.2026, 09:07
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Kaum haben Österreichs Murmeltiere mit der Sommerhitze zu kämpfen, beginnt in den Alpen die Jagdsaison. Tausende Tiere werden jedes Jahr erlegt. Der Österreichische Tierschutzverein übt scharfe Kritik – besonders an Jagdreisen für zahlungskräftige Gäste.

August bis Oktober

Für Österreichs Murmeltiere beginnt eine gefährliche Zeit. Ab August dürfen die putzigen Alpenbewohner in mehreren Bundesländern wieder bejagt werden. Die Saison dauert regional bis Ende Oktober. Der Österreichische Tierschutzverein warnt: Die Tiere seien durch steigende Temperaturen ohnehin zunehmend unter Druck.

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Zahlen lügen nicht:

Im Jagdjahr 2024/25 wurden demnach österreichweit 7.143 Murmeltiere erschossen. Mit Abstand die meisten Abschüsse gab es in:

Tirol mit 3.955 Tieren;

Salzburg mit 1.730 Tieren

Kärnten mit 871 Tieren,

Vorarlberg mit 389 Tieren und

Steiermark mit 196 Murmeltieren.

(Quelle, Statistik Austria)

Hitze bremst natürlichen Rhythmus

Eigentlich sind Alpenmurmeltiere perfekt an das Leben im Hochgebirge angepasst. Die geselligen Nager verbringen einen großen Teil ihres Lebens in weitverzweigten Bauen und halten rund sieben Monate Winterschlaf. Während der kurzen warmen Jahreszeit müssen sie deshalb ausreichend fressen und eine dicke Fettschicht anlegen.

Genau das werde durch die steigenden Temperaturen schwieriger, warnt der Tierschutzverein. Bei großer Hitze ziehen sich die Tiere häufiger in ihre kühlen Höhlen zurück – und verlieren dadurch wertvolle Zeit für die Nahrungssuche.

Murmeltier gilt als "potenziell gefährdet"

Zusätzliche Kritik gibt es mit Blick auf den Gefährdungsstatus. Bereits 2005 wurde das Murmeltier in der Roten Liste der Säugetiere Österreichs als "potenziell gefährdet" eingestuft.

„Seither folgte ein Rekordsommer dem nächsten und verschärfte ihre Lebensbedingungen. In höheren Lagen können sie nicht mehr ausweichen, für die Murmeltiere wird es buchstäblich eng.“
Alexios WiklungSprecher, ÖTV

Der Tierschutzverein fordert deshalb bessere und vor allem aktuelle Daten über die Bestände. Laut Organisation seien derzeit lediglich drei von 27 bundesweiten Roten Listen aktuell genug, um als wissenschaftliches Frühwarnsystem für den Artenschutz sinnvoll eingesetzt werden zu können.

Jagd-Safaris!

Besonders sauer stößt den Tierschützern der Jagdtourismus auf. Anbieter vermarkten die Murmeltierjagd als Urlaubserlebnis in den österreichischen Bergen. Für Freizeitjäger wird das Tier dabei auch als begehrte Trophäe angeboten. "Die sportliche Jagd auf Murmeltiere widerspricht unseren ethischen Grundsätzen und den Zielen des Tierschutzes", kritisiert Wiklund. Sie fördere aus Sicht des Vereins eine Mentalität, bei der Tiere als Ware und Erlebnisobjekt betrachtet würden.

Österreich sei für Jagdtouristen auch deshalb interessant, weil die Regelungen im Vergleich zu einigen Nachbarländern weniger streng beziehungsweise die Jagdzeiten länger seien.

Die Jagdzeiten unterscheiden sich je nach Bundesland: In Tirol dürfen Murmeltiere etwa vom 15. August bis 30. September bejagt werden, in Salzburg vom 16. August bis 15. Oktober. In Kärnten läuft die Saison bereits seit 1. August und dauert bis 15. Oktober. In Vorarlberg beginnt sie am 16. August und endet am 30. September. In Oberösterreich reicht die angegebene Jagdzeit vom 16. August bis 31. Oktober.

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