Sie ist klein, unscheinbar – und könnte Österreichs Seen für Jahrzehnte verändern. Experten wie beispielsweise Piet Spaak, Biologe und Quaggamuschel-Spezialist am Schweizer Wasserforschungsinstitut Eawag, gehen davon aus, dass sich die invasive Quaggamuschel in bereits befallenen Gewässern nicht mehr stoppen lässt. Langfristig drohen massive Veränderungen der Ökosysteme, Schäden an der Infrastruktur und hohe Kosten. Entscheidend ist deshalb vor allem eines: noch nicht betroffene Seen zu schützen.
Die ursprünglich aus dem Schwarzmeerraum stammende Quaggamuschel hat sich mittlerweile in zahlreichen europäischen Gewässern etabliert. In Österreich kommt sie unter anderem im Bodensee sowie in oberösterreichischen und Kärntner Seen vor. Ihr entscheidender Vorteil: Sie kann sich nahezu ganzjährig vermehren, kommt mit wenig Nahrung zurecht und besiedelt im Gegensatz zu vielen anderen Muschelarten auch tiefe Bereiche und weichen Seegrund.
Ist ein Gewässer erst einmal stark befallen, gilt eine vollständige Entfernung praktisch als aussichtslos. Das Land Oberösterreich hält unter Berufung auf Experten fest, dass die Ausbreitungsdynamik in bereits betroffenen Seen aufgrund der Invasivität der Art nicht mehr aufgehalten werden könne.
Was das langfristig bedeutet, zeigt der Blick auf wissenschaftliche Prognosen. Untersuchungen zum Bodensee, Genfer See und Bielersee gehen davon aus, dass die Masse der Quaggamuscheln pro Quadratmeter bis 2045 auf das Neun- bis Zwanzigfache steigen könnte.
Besonders problematisch ist dabei ihre enorme Filterleistung: Die Muscheln entziehen dem Wasser große Mengen an Algen und verändern damit die Nahrungskette. Planktontieren fehlt Nahrung, was sich wiederum auf Fische und damit auf Berufs- und Angelfischerei auswirken kann. Gleichzeitig verdrängt die Quaggamuschel heimische Arten und verändert den Nährstoffkreislauf ganzer Seen.
Doch die Folgen sind nicht nur ökologisch. Quaggamuscheln setzen sich massenhaft an Rohren, Filtern, Stegen und Booten fest. Besonders Wasserversorgungsanlagen müssen deshalb mit steigenden Wartungs- und Reinigungskosten rechnen. Auch für Badegäste wird die Muschel zunehmend zum Ärgernis: Ihre scharfkantigen Schalen können zu Schnittverletzungen führen. Im Sommer 2026 wurden etwa am Mondsee besonders viele derartige Verletzungen gemeldet.
Die Strategie der Behörden verschiebt sich daher zunehmend vom Kampf gegen bestehende Populationen hin zum Schutz noch muschelfreier Gewässer. Dass das möglich ist, zeigt Oberösterreich: Dort sind derzeit weiterhin Attersee, Traunsee, Mondsee und die Feldkirchner Badeseen betroffen, während in zahlreichen anderen untersuchten Seen keine Quaggamuscheln nachgewiesen wurden.
Boote, SUPs, Tauch- und Angelausrüstung sollten deshalb beim Wechsel zwischen Gewässern konsequent gereinigt und vollständig getrocknet werden. Denn während die Quaggamuschel aus einem einmal stark besiedelten See wohl nicht mehr verschwinden wird, lässt sich zumindest verhindern, dass aus einem regionalen Problem eines für praktisch alle heimischen Seen wird.