Er ist erst 19 Jahre alt und steht am Beginn einer Karriere – doch statt nur Jubel für seinen Triumph beim ORF-Vorentscheid "Vienna Calling" erlebt COSMÓ derzeit eine dunkle Seite des Ruhms.
Nachdem er sich gegen elf Konkurrenten durchgesetzt und beim Publikum die Höchstpunktezahl abgeräumt hatte, wird der frisch gekürte "Eurovision Song Contest"-Vertreter im Netz massiv attackiert. Die Freude über das Ticket zum "Song Contest" wird von einer Welle an Hassnachrichten überschattet.
Bereits vor wenigen Tagen hatte Kabarettistin und Autorin Caroline Athanasiadis Alarm geschlagen. Unter dem Motto "Was wir nicht können ist gönnen!" stellte sie sich klar hinter COSMÓ und fragte: "Wie kann es sein, dass ein junger, ambitionierter, leidenschaftlicher Künstler wie Cosmó für einen Musikbeitrag innerhalb kürzester Zeit so viel Hass und Häme einstecken muss, nur weil einem persönlich sein Lied nicht gefällt?"
Auch die Dauer-Kritik am ORF kontert sie: "Wenn es einen Vorentscheid gibt, passt es nicht, weil ja sowieso alles manipuliert ist, und wenn es keinen gibt, ist das eine Frechheit, weil über den Kopf der Österreicherinnen hinweg entschieden wird."
Ihr Beitrag endet zudem mit dem Wunsch nach "mehr Bamlaks, Anna-Sophies, Lenas, Julias, Kaylas, Philips, Cosmos, Davids, Freuds, Nikotins, Reverends und Sidrits! Nicht nur in TV-Shows, sondern vor allem in unseren Playlists und IM RADIO!" In einem weiteren Posting legt sie jetzt zum Thema nach und plädiert "nicht nur für ein Social-Media-Verbot für unsere Jugend, sondern ich verlange ein Gesetz, das regelt, dass Menschen nur mit ihrem Klarnamen und Ausweis einen Account bekommen!"
Die Frustration vieler Kommentatoren und die Gründe für ihren extremen Hass kann sie nicht nachvollziehen. Deshalb lädt sie Hater sogar zum Austausch in ihre Show ein – sie sollen ihr diese Dinge ins Gesicht sagen, statt sich hinter einem Bildschirm zu verstecken.
Besonders deutlich wird auch Ö3-Urgestein Eberhard Forcher, der jahrelang als "ESC"-Scout tätig war. In einem emotionalen Posting schreibt er: "Einen 19-jährigen Musiker, der tatsächlich etwas erreicht hat, von dem andere nur träumen können, so dermaßen unflätig niederzumachen, zeigt nur: Es wird tatsächlich immer schlimmer."
Und weiter: "Von der Wohnzimmer-Couch aus und im Schutz der Anonymität wird auf alles und jeden hingeprügelt. Und es trifft oft auch genau die, die diesen Hass am allerwenigsten verdient haben." Sein Rat an den jungen Künstler klingt wie eine Kampfansage: "Und jetzt, lieber Cosmo, zeig den Hatern musikalisch den Mittelfinger. Der Song hat durchaus ESC- und Hit-Potential. Ich drück alle Daumen."
ORF-Generaldirektor Roland Weißmann findet ebenfalls klare Worte und meldet sich persönlich zu Wort: "Schon wieder wurde sehr viel Grausliches und Beleidigendes über ihn im Netz geschrieben. Und ehrlich – mich macht das betroffen – auch wenn es schon beinah Alltag ist. Ein junger Mensch erlebt vermutlich die aufregendsten 24 Stunden seines Lebens. Und wofür? Weil einem das Lied nicht gefällt? Weil einem die Performance nicht zusagt? Geschmäcker sind verschieden. Zum Glück. Sonst wäre alles ziemlich fad und grau."
Zwar werde COSMÓ nun zur Person des öffentlichen Lebens, "aber das bedeutet nicht automatisch, dass er alles aushalten muss. Nicht jede Häme. Nicht jede Beschimpfung. Nicht jede Entgleisung."
Hinweis der Redaktion
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Sein Appell: "Vielleicht schaffen wir es, ihm einfach Unterstützung zu schenken. Nicht als Bewertung seines Liedes. Nicht als Abstimmung über eine Performance. Sondern als Unterstützung für einen jungen Menschen, der gerade seinen Traum lebt. Das sollte eigentlich selbstverständlich sein."