Österreichs Lehrkräfte stellen ihrem Beruf im internationalen Vergleich ein gutes Zeugnis aus. Laut der neuen OECD-Studie "Education at a Glance 2026" sind rund 82 Prozent mit ihren Arbeitsbedingungen zufrieden. Im OECD-Schnitt sind es nur 69 Prozent.
Auch beim Gehalt fällt die Bilanz positiv aus: 72 Prozent der Lehrerinnen und Lehrer an Mittelschulen und AHS-Unterstufen sind mit ihrer Bezahlung zufrieden oder sehr zufrieden. Damit liegt Österreich im internationalen Vergleich weit vorne. Nur wenige Pädagogen denken überhaupt daran, den Beruf zu verlassen.
Deutlich problematischer ist die Situation bei Berufsanfängern. Im Schuljahr 2024/25 verließen drei Prozent der voll qualifizierten Lehrkräfte ihren Beruf.
Mehr als zwei Drittel dieser Aussteiger hatten allerdings weniger als fünf Jahre Berufserfahrung. Unter den Junglehrern bedeutete das: Fast jeder Zehnte kehrte dem Klassenzimmer wieder den Rücken.
Die OECD sieht mehrere mögliche Gründe dafür – darunter hohe Arbeitsbelastung, mangelnde Unterstützung beim Berufseinstieg und die generelle Attraktivität des Lehrerberufs.
Frühere Untersuchungen zeigen zudem, dass junge Pädagogen in Österreich häufiger in besonders herausfordernden Klassen eingesetzt werden als erfahrene Kollegen.
Gleichzeitig wird die Suche nach Personal schwieriger. In Österreich blieb zuletzt rund ein Prozent der Lehrerstellen unbesetzt. In mehreren anderen OECD-Staaten fällt die Lücke noch größer aus.
Parallel steigt die Zahl jener Pädagogen, die nicht über eine klassische Lehramtsausbildung verfügen. Ihr Anteil hat sich in Österreich seit 2017/18 verdoppelt und liegt mittlerweile sowohl in der Volksschule als auch in der Sekundarstufe bei knapp sieben Prozent.
In der Sekundarstufe sind laut OECD ebenfalls rund sieben Prozent Quereinsteiger, die ihre pädagogische Ausbildung berufsbegleitend absolvieren.
Die OECD empfiehlt mehr Unterstützung für Lehrer, größere Entscheidungsspielräume, bessere Karrierechancen und vor allem mehr gesellschaftliche Anerkennung.
Denn nur rund jede fünfte Lehrkraft fühlt sich laut Studie von der Gesellschaft ausreichend wertgeschätzt.
Auch Digitalisierung, zusätzliches Unterstützungspersonal und weniger Verwaltungsaufwand sollen dafür sorgen, dass Lehrer mehr Zeit für ihre eigentliche Aufgabe haben: den Unterricht.
Bildungsminister Christoph Wiederkehr (NEOS) sieht Österreich angesichts des internationalen Lehrermangels grundsätzlich in einer vergleichsweise guten Position. Gleichzeitig müsse besonderes Augenmerk auf Berufsanfänger gelegt werden.
"Gleichzeitig müssen wir dafür sorgen, dass junge Lehrerinnen und Lehrer langfristig im Beruf bleiben. Deshalb müssen wir die Arbeitsbedingungen weiter verbessern und den Lehrberuf attraktiv halten", erklärte Wiederkehr.