Der Auftritt des furchteinflößenden Terror-Verdächtigen Beran A. (21) – er hatte sich mit Sturmhaube und Macheten inszeniert – wurde beim Prozessauftakt am Landesgericht Wiener Neustadt mit Spannung erwartet.
Die Überraschung war entsprechend groß, als sechs vermummte Beamte einen pummeligen jungen Mann in den Saal führten, der nervös lächelnd so schnell ins Schwitzen kam, dass er bereits in der Mittagspause sein durchnässtes Hemd tauschen musste.
Dem jungen Mann aus Ternitz (NÖ) wird bekanntlich vorgeworfen, einen Anschlag auf ein Taylor-Swift-Konzert in Wien geplant zu haben. Aber auch ein Anschlagsversuch in Dubai wird ihm angelastet, der gleichzeitig mit koordinierten Attacken seiner "Karawane" in Istanbul und Mekka stattfinden sollte.
Wegen terroristischer Straftaten und der Beteiligung an einer kriminellen Organisation drohen ihm und seinem mitangeklagten Komplizen Arda K. (21) 20 Jahre Haft – er verantwortete sich teilweise geständig.
Nach dem gescheiterten Anschlagsversuch in Dubai habe er sich sehr schlecht gefühlt, sagt Beran A. Dann sah er sich am 17. März ein Bombenbau-Video an, das er geschickt bekommen hatte. Er machte sich eine Einkaufsliste. "Ich dachte mir ich bau die Bombe nach, es war wie ein Experiment. Ich wollte es irgendwo im Wald anzünden."
Weitere Notizen mit "beten, beten, kampfbereit anziehen, bei Familie verabschieden" würden für ihn heute "keinen Sinn" mehr ergeben. Dennoch gestand er ein: "Ich wollte damals alles über Dschihad wissen, wurde immer tiefer in die Ideologie hineingezogen, sonst "bin ich im Höllenfeuer".
Er hatte immer die Stimme seines Freundes im Kopf, der in Mekka verhaftet wurde. Im Juli 2024 geriet er auf TikTok in Streit mit einem User um die Frage, ob man im Krieg Kinder und Frauen töten dürfe. Er vertrat die Meinung: "Wenn man aber mit einem Land verfeindet ist wie der IS mit Österreich, dann darf man da schon Anschläge machen."
Sogar Anschlagsziele wurden notiert. "Ich war bereit für Dschihad und das waren die Orte, die ich besichtigen wollte. Ich habe auch die US-amerikanische Botschaft angeschaut. Dann habe ich mich für das Swift-Konzert entschieden."
"In der Schule war ich ein Opfer. Die Leute nannten mich Fettsack", führte der 21-Jährige jammernd aus. Wegen Depressionen habe er damals gedacht, er sei von "einem Dschinn besessen", ließ in einer Wiener Moschee sogar eine Art Teufelsaustreibung vornehmen. "Das war schwachsinnig."
Der radikale Islam habe ihm später Selbstbewusstsein gegeben, den Attentäter von Wien habe er regelrecht bewundert. "Er war einer von uns." Er habe sich in frauenverachtenden Gewaltfantasien verirrt, die Welt in gläubig und ungläubig eingeteilt. Verteidigerin Anna Mair versuchte, den Geschworenen den Menschen hinter dem Bild des Terroristen zu zeigen – mit mäßigem Erfolg. Der Prozess ist auf fünf Tage angesetzt. Die Unschuldsvermutung gilt.