Wer heuer noch einen Flug buchen will, muss weiter tief in die Tasche greifen. Der Weltluftfahrtverband IATA rechnet nicht damit, dass die Ticketpreise rasch wieder sinken. Grund sind die stark gestiegenen Kerosinpreise im Zuge des Kriegs zwischen den USA, Israel und dem Iran. Dazu kommen gesperrte oder riskante Flugrouten, die Airlines zu teuren Umwegen zwingen.
IATA-Chef Willie Walsh schlug am Wochenende am Rande der Jahrestagung in Rio de Janeiro Alarm. Einige Fluggesellschaften würden mit den hohen Treibstoffkosten "nur sehr schwer zurechtkommen", sagte er im Talk mit der Nachrichtenagentur Reuters. Walsh rechnet damit, dass manche Airlines aufgeben müssen, andere könnten von größeren Konkurrenten geschluckt werden.
Besonders hart trifft es Billigflieger. Sie haben weniger Spielraum, weil ihnen margenstärkere Einnahmequellen wie Premiumklassen oder große Vielfliegerprogramme fehlen. Laut Walsh werden Airlines nun versuchen, ihre Gewinne zu retten – etwa indem sie unrentable Strecken aus dem Flugplan werfen. Für Passagiere bedeutet das: weniger Auswahl, womöglich weniger Direktflüge und weiterhin hohe Preise.
Das Geschäftsmodell der Billig-Airlines sieht Walsh aber nicht am Ende. In Europa laufe es weiter stark, vor allem Ryanair gilt hier als Musterbeispiel. Anders ist die Lage in den USA: Dort setzen die großen Anbieter United Airlines, Delta Air Lines und American Airlines ihre kleineren Konkurrenten immer stärker unter Druck.
Auch beim Klimaziel bleibt der Druck hoch. Die IATA will daran festhalten, dass Airlines ab 2050 klimaneutral wirtschaften. Doch nachhaltige Flugkraftstoffe kommen langsamer voran als erhofft. Laut IATA sollen solche Kraftstoffe ein zentraler Hebel für das Netto-Null-Ziel sein, die Produktion bleibt aber ein großes Problem.