Mehrere private Trägerorganisationen sollen in Wien gegen Förderrichtlinien und Abrechnungsmodalitäten verstoßen haben. Nun greift die Stadt durch, bei verschärften Förderkontrollen wird laufend geprüft, ob Fördermittel und Steuergelder nach den Grundsätzen der Sparsamkeit, Wirtschaftlichkeit und Zweckmäßigkeit verwendet wurden.
Am Dienstag wurde zudem bekannt, dass die MA 10 (Wiener Kindergärten) die Förderungen für acht Vereine mit 13 Standorten gestoppt hat. Auch der Verein Kinderkrippe und Kindergarten "Sorgenlos" in Währing ist davon betroffen.
Der Verein wurde vor kurzem auch in einem Stadtrechnungshofbericht erwähnt. Zwischen 2016 und 2023 wurden Förderungen in der Höhe von 4,01 Millionen Euro bezogen. Im Gespräch mit "Heute" erklärt Vereinsobfrau Tamara Ullsperger: "Wir betreuen derzeit 87 Kinder in fünf Gruppen und beziehen etwa 35.000 bis 50.000 Euro Förderung pro Monat von der Stadt. Die Höhe variiert je nach Anzahl der Kinder, im Sommer sind es zum Beispiel weniger."
Ullsperger gründete den Verein 2014, mittlerweile gibt es zwei Standorte in der Schulgasse. Im Stadtrechnungshof wird etwa kritisiert, dass mehrere Überweisungen vom Vereinskonto auf das Konto der Vorsitzenden stattfanden – entsprechende Belege konnten aber nicht vorgelegt werden. Weiters werden zahlreiche private Ausgaben angeführt, die aber vom Vereinskonto bezahlt wurden.
Ullsperger gibt gewisse Fehler zu: "Wir haben die Jahresabschlüsse zu spät bzw. unvollständig abgegeben. Es gab aber nie Beanstandungen von der MA 10. Vor drei, vier Jahren wurden zum Beispiel auch die Betreuungsverträge der Kinder überprüft. Nach einer Überprüfung mussten wir im vergangenen Jahr 10.000 Euro zurückzahlen – das haben wir auch gemacht. Wir waren immer sehr kooperativ bei den Prüfungen."
Der Förderstopp – Ullsperger wurde per Brief informiert – kam für die Vereinsobfrau überraschend: "Es steht überhaupt keine Begründung drinnen. Wir wollten Gespräche mit der MA 10, doch das wurde abgelehnt." Generell kritisiert Ullsperger den Umgang der MA 10 mit den Trägern und die fehlende Kommunikation: "Alle privaten Träger ärgern sich leise über die Stadt, sagen aber nichts, weil sie Angst haben, die Förderungen zu verlieren."
Mit Ende März läuft der Fördervertrag aus, die letzte Zahlung erhält der Verein somit Ende Februar. Wie es danach weitergeht, ist noch völlig offen: "Es gibt viele Überlegungen, aber wir können noch nichts Konkretes sagen. Wir haben den Eltern mitgeteilt, dass wir an einer Lösung arbeiten. Ich hoffe, dass wir in den nächsten Tagen eine finden."
An einer Lösung arbeiten inzwischen auch zahlreiche Eltern, wie sich beim "Heute"-Lokalaugenschein zeigt: "Wir wissen gar nichts Genaues. Wir haben erst am Dienstag erfahren, dass der Kindergarten vermutlich geschlossen wird", berichten die beiden Mütter Lena und Anna (Namen geändert).
Lena (26) sucht nun einen neuen Platz für ihren Sohn (2), Anna (27) für ihre 18 Monate alte Tochter: "Wir brauchen ganz dringend einen neuen Betreuungsplatz bis 15 Uhr, da wir beide arbeiten gehen. Wir wurden damals im städtischen Kindergarten abgelehnt, deshalb waren wir froh, dass wir Plätze bei 'Sorgenlos' bekommen haben."
Auch Mara (Name geändert) wartet vor dem Eingang des Kindergartens auf ihr Kind, sie wirkt betroffen: "Ich habe schon beim Servicetelefon der MA 10 angerufen. Dort wurde mir gesagt, dass es im 18. Bezirk in den städtischen Kindergärten keine Plätze gibt, nur im 16. Das ist mir aber zu weit. Daher suche ich jetzt einen Platz in einem privaten Kindergarten."
Hoffnung schenkt die St. Nikolausstiftung: Wie "Heute" berichtete, hat der große Träger mit 90 Kindergärten und Horten in ganz Wien noch freie Kapazitäten – auch im 18. Bezirk. Dort entsteht derzeit der neue Standort St. Severin. Die letzten Arbeiten laufen auf Hochtouren, ab voraussichtlich März sollen dort zusätzliche Plätze für Kinder ab einem Jahr zur Verfügung stehen.