"Altersarmut ist weiblich"

Frauenpensionen in NÖ fast 40 Prozent niedriger

Frauen in Niederösterreich erhalten im Schnitt um 1.100 Euro weniger Pension als Männer. AK und ÖGB sprechen von strukturellen Problemen.
Niederösterreich Heute
03.08.2026, 12:27
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Am 8. August steht in Niederösterreich der sogenannte "Equal Pension Day" für das Jahr 2026 an. Das ist jener Tag, an dem Männer bereits so viel Pension am Konto haben, wie Frauen erst bis zum Jahresende - also fast fünf Monate später - bekommen werden.

Das kann man sich so vorstellen: Während Männer das ganze Jahr über voll abgesichert sind, müssen Frauen in Niederösterreich die restlichen 145 Tage des Jahres rein statistisch ohne Pension auskommen. Die Pensionslücke zwischen Männern und Frauen beträgt aktuell satte 39,60 Prozent.

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Laut einer OTS-Aussendung der Arbeiterkammer Niederösterreich sieht die Realität so aus: Im Schnitt bekommen Männer in Niederösterreich eine Alterspension von rund 2.778 Euro pro Monat. Frauen müssen mit nur 1.678 Euro auskommen. Das macht jeden Monat 1.100 Euro Unterschied.

Strukturelle Probleme

"Dass Frauen im Alter fast 40 Prozent weniger zum Leben haben, ist ein unhaltbarer Zustand. Altersarmut ist nach wie vor weiblich", stellt AK Niederösterreich-Präsident und ÖGB NÖ-Vorsitzender Markus Wieser klar. Außerdem wären mehr als zwei Drittel der Bezieher einer Ausgleichszulage Frauen - der Richtsatz würde hier meilenweit unter der festgesetzten Armutsgefährdungsschwelle liegen.

Für Mag. Didem Strebinger, Landesfrauenvorsitzende beim ÖGB Niederösterreich, ist klar: "Niedrige Pensionen sind kein Schicksal und kein persönliches Versagen. Sie sind das Resultat von Strukturdefiziten. Die Quittung folgt Jahrzehnte später – beim Blick aufs Pensionskonto."

Arbeit oft unbezahlt

Die Gründe für diese Lücke liegen bereits im Erwerbsleben: Frauen verdienen pro Stunde um 17,6 Prozent weniger als Männer. Noch gravierender ist aber die ungleiche Verteilung unbezahlter Arbeit. Frauen verbringen rund 57 Prozent ihrer Arbeitszeit mit Tätigkeiten wie Kinderbetreuung, Pflege oder Haushalt – und das meist ohne Bezahlung.

Das führt dazu, dass besonders viele Frauen in Teilzeit arbeiten. In Niederösterreich sind es bei den Müttern mit mindestens einem Kind unter 15 Jahren sogar über 71 Prozent. Bei den Männern in derselben Situation sind es nur etwa 7 Prozent. Die Folge: Wer lange in Teilzeit arbeitet, bekommt im Alter deutlich weniger Pension.

Pensionsalter steigt - aber auch Arbeitslosigkeit

Dazu kommt, dass das Regelpensionsalter für Frauen schrittweise angehoben wird: Derzeit liegt es bei 61,5 Jahren, bis 2033 wird es auf 65 Jahre steigen. Gleichzeitig steigt aber auch die Zahl der älteren, arbeitslosen Frauen. "Es braucht hier dringend ein Umdenken in den Betrieben und bessere Unterstützung für ältere Arbeitssuchende", fordert Birgit Schön, Leiterin der Abteilung Frauenpolitik der AK Niederösterreich.

Die AK Niederösterreich hat klare Forderungen: Eine Arbeitsmarktoffensive zur Gleichstellung von Frauen am Arbeitsmarkt, leistbare und flächendeckende Pflege- und Betreuungseinrichtungen für Kinder und Pflegebedürftige sowie eine Anhebung der Ausgleichszulage. So sollen Frauen auch im Alter ein unabhängiges und würdiges Leben führen können.

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