Immer mehr Menschen in Österreich fühlen sich von Betrugsversuchen im Internet bedroht. 77 Prozent der Befragten einer repräsentativen Umfrage geben an, in den vergangenen zwölf Monaten eine Zunahme von Betrugsversuchen wahrgenommen zu haben. Besonders häufig sehen das Menschen über 70 Jahre: 93 Prozent dieser Altersgruppe teilen diese Einschätzung.
Tatsächlich war bereits mehr als jeder Fünfte betroffen. 21 Prozent der Befragten gaben an, schon einmal Opfer eines Zahlungsbetrugs geworden zu sein. Entweder wurde dabei ohne Zustimmung bezahlt oder die Betroffenen wurden durch Täuschung dazu gebracht, selbst Geld zu überweisen.
Auffällig ist, wie unterschiedlich Betroffene und Nicht-Betroffene auf einen Betrug reagieren. 92 Prozent jener, die bisher noch keinen Zahlungsbetrug erlebt haben, sagen, sie würden im Ernstfall zur Polizei gehen.
In der Realität tun das deutlich weniger: Nur 40 Prozent der Opfer, die durch eine Betrugsmasche Geld verloren haben, erstatteten tatsächlich Anzeige. Männer gingen mit 45 Prozent häufiger zur Polizei als Frauen mit 33 Prozent.
Den größten Schaden erlitten viele Betroffene bei vergleichsweise kleineren Beträgen. 27 Prozent verloren beim schwersten Vorfall bis zu 100 Euro, 21 Prozent zwischen 101 und 500 Euro. Rund jeder Sechste verlor mehr als 1.000 Euro.
Die häufigste Betrugsform ist Phishing. 52 Prozent der Befragten haben bereits gefälschte Nachrichten von angeblichen Lieferdiensten erhalten. 48 Prozent bekamen Nachrichten, die angeblich von Banken oder Zahlungsdienstleistern stammten.
Weitere verbreitete Methoden sind Schocknachrichten oder der Enkeltrick: 37 Prozent haben damit bereits Erfahrungen gemacht. 30 Prozent stießen auf Fake-Shops.
Auch betrügerische Investmentangebote werden immer häufiger wahrgenommen. 23 Prozent der Befragten sind bereits auf ein gefälschtes Angebot aus dem Finanz- oder Krypto-Bereich gestoßen. Männer waren davon mit 29 Prozent häufiger betroffen als Frauen mit 17 Prozent.
Bei jungen Menschen verschieben sich die Betrugsmaschen teilweise auf andere Plattformen. 22 Prozent der 14- bis 19-Jährigen berichten von Erfahrungen mit Betrugsversuchen auf Online-Marktplätzen oder Kleinanzeigenplattformen. Häufig geht es dort um gefälschte Zahlungslinks oder Waren, die nach einer Zahlung nie geliefert werden.
Nach einem Betrugsversuch warnen viele Betroffene zuerst ihr Umfeld. 35 Prozent erzählen anderen von ihrer Erfahrung, Frauen mit 39 Prozent häufiger als Männer mit 30 Prozent.
32 Prozent reagieren schnell und können dadurch den Schaden verhindern oder begrenzen. 27 Prozent ändern Passwörter oder Zugangsdaten.
Weniger häufig werden jene Stellen eingeschaltet, die tatsächlich eingreifen können. 24 Prozent melden den Vorfall bei der betroffenen Plattform oder dem Unternehmen, 20 Prozent sichern Beweise wie Screenshots, Nachrichten oder Zahlungsbelege. Nur 18 Prozent informieren die eigene Bank oder den Zahlungsdienstleister.
Visa-Österreich-Chefin Stefanie Ahammer warnt davor, sich nur auf das private Umfeld zu verlassen: "Das persönliche Umfeld zu warnen ist eine verständliche erste Reaktion, aber sie ersetzt nicht die wichtige Meldung an Bank und Polizei."
Sie rät Betroffenen, möglichst schnell die Bank zu kontaktieren, Zugangsdaten zu ändern und Anzeige zu erstatten. Je früher ein Fall gemeldet werde, desto größer seien in der Regel die Chancen, den Schaden zu begrenzen oder eine Zahlung rückgängig zu machen.
Beim Thema Schutz fühlen sich viele Kunden grundsätzlich gut betreut. 71 Prozent der Befragten sagen, sie seien von ihrer Bank gut über Betrugsgefahren informiert. Bei den über 70-Jährigen liegt dieser Wert sogar bei 84 Prozent.
Besonders gefragt sind regelmäßige Informationen zu neuen Betrugsformen. 31 Prozent wünschen sich solche Updates, 30 Prozent wollen mehr Hinweise zum Schutz persönlicher Daten und Zugangsdaten. Ebenfalls 30 Prozent wünschen sich Tipps zum richtigen Verhalten nach einem Betrugsfall.
Die Umfrage wurde im Auftrag von Visa Österreich vom Marktforschungsinstitut Marketagent durchgeführt. Befragt wurden vom 29. Juli bis 5. August 2026 insgesamt 1.000 Personen zwischen 14 und 75 Jahren. Die Angaben zum Schaden beziehen sich auf den Betrag vor möglichen Rückerstattungen.