Zunächst müssen wir uns einmal kurz der Physik und Mathematik zuwenden, wenn wir der Frage nachgehen: Wie misst man Beißkraft überhaupt?
Die Beißkraft wird meist mit speziellen Druckmessgeräten gemessen, die zwischen die Kiefer eines Tieres gelegt werden. Das Ergebnis wird in Newton pro Quadratzentimeter (N/cm²) angegeben. Bei Tieren, die nicht direkt getestet werden können – etwa Weißen Haien oder ausgestorbenen Arten wie dem Tyrannosaurus Rex – wird die Beißkraft mithilfe von Computermodellen berechnet.
Genau genommen wird dabei nicht die Kraft, sondern der Druck beim Zubeißen gemessen. Dieser hängt neben der Muskelkraft auch von der Form der Zähne und des Kiefers ab. Häufig wird zusätzlich der Beißkraftquotient (BKQ) angegeben, der die Beißkraft im Verhältnis zur Körpermasse setzt.
Ganz klar, der Weiße Hai, der Löwe und auch der Gorilla sind kräftemäßig unumstößliche Könige in Beiß- und Kieferkraft. Wo die zubeißen, bleiben nur noch Bröseln übrig, denn selbst der vegetarische Gorilla nutzt die hohe Beißkraft zum stundenlangen Zermahlen sehr verdauungsproblematischer Blätter.
Auch das Leistenkrokodil beißt mit einem Druck von etwa 17.000 N/cm² zu. Im Vergleich? Wir Menschen kommen auf etwa 70 bis 100 N/cm² - also vielleicht, sollten wir uns doch manchmal ein bisserl in Demut üben, nicht wahr?
Betrachtet man nicht die absolute Beißkraft, sondern die Beißkraft im Verhältnis zur Körpergröße (Beißkraftquotient, BKQ), zählt der Schwarze Piranha aus Südamerika zu den stärksten Tieren überhaupt. Obwohl er mit rund 320 Newton deutlich schwächer zubeißt als große Raubtiere, erreicht er bei einer Körperlänge von nur 30 bis 40 Zentimetern einen beeindruckenden BKQ von 106,7.
Damit liegt er sogar vor dem Hyazinth-Ara, dessen Schnabel eine Beißkraft von 140 Newton und einen BKQ von 93,3 erreicht. Zum Vergleich: Der Mensch kommt auf einen BKQ von 4,9, der Weiße Hai auf 5,0. Somit gilt der Piranha bezogen auf seine Körpergröße als eines der Tiere mit der stärksten Beißkraft der Welt.