Am Freitag bemerkte ein Spaziergänger ein Tier, das in auffälligen Schlangenlinien über den Weg torkelte. Der Waschbär wirkte orientierungslos und geschwächt, weshalb der Mann befürchtete, das Tier könnte schwer verletzt oder sogar kurz vor dem Tod stehen. Er verständigte daraufhin die Einsatzzentrale der Polizei.
Als die alarmierten Beamten vor Ort eintrafen, konnten sie jedoch rasch Entwarnung geben. Mit geschultem Blick erkannten die Polizisten, dass der Vierbeiner keineswegs krank oder verletzt war. Stattdessen schien er schlichtweg einen ordentlichen Rausch zu haben.
Nach Einschätzung der Beamten hatte sich der Waschbär vermutlich in den nahegelegenen Weinbergen an vergorenen Trauben bedient. Die durch die Gärung entstandenen Alkoholreste können bei Tieren ähnliche Wirkungen hervorrufen wie bei Menschen. Das Ergebnis: ein sichtbar benommener Waschbär, der kaum noch geradeaus laufen konnte.
Ein Waschbär als Haustier? Eine Tierärztin darf das:
Die Polizei entschied sich deshalb gegen weitere Maßnahmen und sorgte lediglich dafür, dass das Tier die Straße und den Radweg verließ. Die Beamten trieben den Waschbären in ein sicheres Gebiet abseits des Verkehrs, wo er seinen unfreiwilligen Ausflug in die Welt des Alkohols in Ruhe ausschlafen konnte. Ob er am nächsten Tag von Kopfschmerzen geplagt wurde, ist nicht bekannt.
Tatsächlich sind solche Fälle nicht komplett ungewöhnlich. Vor allem im Herbst und Spätsommer können Wildtiere auf natürlich vergorene Früchte stoßen. Wenn Äpfel, Birnen, Beeren oder Trauben längere Zeit am Boden liegen, beginnt ein Gärungsprozess, bei dem Alkohol entsteht. Vögel, Igel, Rehe oder eben Waschbären können nach dem Verzehr dieser Früchte vorübergehend desorientiert oder auffällig verhaltensverändernd wirken.