Laut der schwedischen Aktivistin Greta Thunberg waren die Haftbedingungen in Israel inakzeptabel. Sie wurde inhaftiert, nachdem israelische Streitkräfte die Sumud-Flottille auf dem Weg nach Gaza gestoppt hatten.
Der schwedische Botschafter konnte sie im Gefängnis besuchen und schrieb danach: "Sie berichtet von Dehydrierung. Sie hat sowohl zu wenig Wasser als auch zu wenig Nahrung erhalten. Außerdem sagt sie, sie habe vermutlich durch Bettwanzen verursachte Hautausschläge entwickelt. Sie sprach von harter Behandlung und sagte, sie habe lange Zeit auf harten Oberflächen sitzen müssen."
Die Informationen gehen aus einer Korrespondenz zwischen der Botschaft und Angehörigen Thunbergs hervor, die dem "Guardian" vorliegt. In den Dokumenten steht auch, dass ein weiterer Häftling sagt, Greta sei von israelischen Streitkräften dazu gezwungen worden, Flaggen zu halten und damit für Fotos zu posieren.
Der türkische Aktivist Ersin Celik habe gegenüber der Botschaft gesagt: "Sie zerrten die kleine Greta vor unseren Augen an den Haaren, schlugen sie und zwangen sie, die israelische Flagge zu küssen." Celik zufolge hätten die Streitkräfte an Thunberg ein Exempel statuiert, um die anderen Aktivisten abzuschrecken.
Auch der Journalist Lorenzo D'Agostino, der auf der Flottille war, berichtet von der Flagge. Greta sei in die israelische Flagge gehüllt "wie eine Trophäe" vorgeführt worden.
Die israelische Marine hatte am Freitag das letzte der insgesamt 42 Boote der "Global Sumud Flotilla" abgefangen. Mehr als 400 Besatzungsmitglieder aus Dutzenden Ländern wurden in Gewahrsam genommen. Am Freitag hatte Israel eigenen Angaben zufolge bereits vier Italiener in ihre Heimat zurückgeschickt.
Die Aktivisten wollten eigenen Angaben zufolge Hilfsgüter in den Gazastreifen bringen. Israel hatte angeboten, die Hilfslieferungen über Häfen außerhalb des Gazastreifens an Land und von dort aus in das palästinensische Küstengebiet zu bringen. Die Aktivisten lehnten das mit der Begründung ab, Israels Blockade des Gazastreifens sei völkerrechtswidrig.
Viele Aktivisten haben israelischen Angaben zufolge das Land verlassen. "137 weitere Provokateure der Hamas-Sumud-Flottille wurden heute in die Türkei abgeschoben", teilte Israels Außenministerium mit. Darunter seien unter anderem Staatsbürger aus den USA, Italien, Großbritannien, mehrerer arabischer Länder und der Türkei. Laut dem türkischen Außenminister ist der Flieger bereits in Istanbul gelandet.
Anwälten der NGO Adalah zufolge seien die Rechte der Flottille-Crew "systematisch verletzt" worden. Wasser, sanitäre Einrichtungen, Medikamente und der sofortige Zugang zu juristischer Vertretung seien ihnen verweigert worden. Das sei ein klarer Verstoß gegen ihre Grundrechte. Anwälte der italienischen Aktivisten berichteten zudem von verbaler und physischer Gewalt.
Die israelische Botschaft teilte gegenüber dem "Guardian" mit, dass die Anschuldigungen "komplette Lügen" seien. Alle "festgenommenen der Provokation von Hamas-Sumud" hätten Zugang zu Wasser, Nahrung und Toiletten gehabt. Der Zugang zu einem Rechtsbeistand sei ihnen nicht verwehrt worden und alle Rechte einschließlich des Zugangs zu medizinischer Versorgung seien "uneingeschränkt" gewahrt worden.
"Israel ist und bleibt ein Rechtsstaat, der sich der Wahrung der Rechte und der Würde aller Menschen gemäß internationalen Standards verpflichtet fühlt", so die Botschaft.