Spaghetti Bolognese gehört für viele Menschen zu den Klassikern der italienischen Küche. In unzähligen Haushalten steht das Gericht regelmäßig auf dem Tisch: Spaghetti, dazu eine kräftige Tomaten-Fleischsoße – fertig ist das vermeintlich italienische Original. Doch ausgerechnet in der italienischen Stadt Bologna, deren Namen das Gericht trägt, sorgt es für Verwunderung.
Der ehemalige Bürgermeister von Bologna, Virginio Merola, bezeichnete das Gericht öffentlich als "Fake News". Mit einer Social-Media-Aktion sammelte er Bilder von "Spaghetti Bolognese" aus aller Welt, nur um am Ende zu beweisen, dass dieses Gericht in Bologna so gar nicht existiert.
Was in Bologna tatsächlich serviert wird, heißt Tagliatelle al Ragù. Dabei handelt es sich nicht nur um andere Nudeln, sondern auch um eine andere Sauce mit kaum Tomaten. Und dieses echte Ragù ist sogar notariell geschützt und bei der Handelskammer Bologna hinterlegt.
International wird die Bolognese hingegen gerne nur knapp zwanzig Minuten mit einer halben Dose Tomaten und reichlich Oregano gekocht.
Auch die Wahl der Pasta ist entscheidend. In Bologna wird Ragù niemals mit Spaghetti kombiniert. Die breite Oberfläche der Tagliatelle sorgt dafür, dass die dicke Fleischsoße besser haftet. Auf den glatten Spaghetti würde sie dagegen leicht abrutschen.
Trotzdem hat sich die Kombination aus Spaghetti und Fleischsoße international durchgesetzt. Historiker führen das unter anderem auf italienische Einwanderer zurück, die ihre Küche im Ausland anpassten. Statt frischer Eierpasta nutzten sie häufig günstigere getrocknete Spaghetti und eine üppige Tomatensoße, die für volle Bäuche sorgen sollte.