Der Fernseher läuft, der Tag neigt sich dem Ende zu – und auf dem Couchtisch steht die Snackschüssel. Für viele gehört Knabbern zum Feierabend einfach dazu. Doch wer auf seine Ernährung achten will, greift statt zu fettigen Chips oft lieber zu Salzstangen. Sie wirken leichter, weniger fettig und damit automatisch gesünder. Aber stimmt das wirklich?
Der größte Vorteil von Salzstangen liegt tatsächlich im Fettgehalt: Während Kartoffelchips meist in Öl frittiert werden, werden Salzstangen gebacken. Dadurch enthalten sie deutlich weniger Fett.
Im Schnitt stecken in 100 Gramm Salzstangen nur rund vier Gramm Fett. Chips bringen dagegen häufig etwa 30 Gramm Fett pro 100 Gramm auf die Waage – also rund siebenmal so viel. Wer seinen Fettkonsum reduzieren möchte, trifft mit Salzstangen daher tatsächlich die leichtere Wahl. Doch damit endet der gesundheitliche Vorteil auch schon fast.
Salzstangen bestehen hauptsächlich aus Weizenmehl. Dadurch enthalten sie nur relativ wenig Ballaststoffe: Diese spielen jedoch eine wichtige Rolle für die Verdauung und sorgen dafür, dass der Blutzuckerspiegel langsamer ansteigt. Mit etwa vier Gramm Ballaststoffen pro 100 Gramm liefern Salzstangen zwar einen kleinen Beitrag, wirklich satt machen sie aber nicht. Genau deshalb passiert es schnell, dass man beim Knabbern mehr davon isst, als man eigentlich geplant hatte.
Dabei haben Salzstangen durchaus Kalorien: Rund 389 Kilokalorien pro 100 Gramm stecken in dem Snack. Die Kombination aus vielen Kohlenhydraten und wenig Ballaststoffen sorgt dafür, dass man lange weitergreift, ohne sich wirklich satt zu fühlen.
Auch bei Vitaminen und Mineralstoffen haben Salzstangen wenig zu bieten. Durch das stark verarbeitete Weizenmehl enthalten sie nur geringe Mengen an Mikronährstoffen. Zwar liefern sie durch das zugesetzte Salz Natrium – doch dieser Stoff ist im Alltag ohnehin eher im Übermaß vorhanden. Als gezielte Nährstoffquelle taugen Salzstangen daher kaum.
Ein weitverbreiteter Mythos hält sich dennoch hartnäckig: Viele glauben, Salzstangen könnten bei Durchfall helfen, weil sie Elektrolyte liefern. Tatsächlich stimmt das nicht: Die enthaltenen Mineralstoffe liegen nicht im richtigen Verhältnis vor, um einen Elektrolytverlust auszugleichen.
Ein weiterer Punkt, der bei Salzstangen oft unterschätzt wird, ist der Salzgehalt. 100 Gramm enthalten im Schnitt rund vier Gramm Salz, manchmal sogar mehr. Zum Vergleich: Die WHO empfiehlt, täglich nicht mehr als fünf Gramm Salz zu konsumieren. Schon eine kleinere Portion Salzstangen kann also einen großen Teil dieser Menge ausmachen.
Zu viel Salz steht in Zusammenhang mit Bluthochdruck und kann langfristig das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen erhöhen.
Beim Backen stärkehaltiger Lebensmittel kann außerdem Acrylamid entstehen – ein Stoff, der beim starken Erhitzen gebildet wird. Auch in Salzstangen kann er in unterschiedlichen Mengen vorkommen. In Tierversuchen zeigte Acrylamid krebserregende und erbgutschädigende Eigenschaften. Die Mengen in Lebensmitteln sind meist gering, dennoch wird empfohlen, solche Produkte nicht übermäßig zu konsumieren.
Ganz verzichten muss man auf den Snackabend aber nicht. Wer bewusst knabbern möchte, kann zu Vollkorn-Salzstangen greifen. Sie enthalten mehr Ballaststoffe und sättigen etwas besser. Auch Varianten mit Sesam können eine interessante Alternative sein: Sesam liefert zusätzliche Mineralstoffe und Ballaststoffe, allerdings steigt damit auch der Kaloriengehalt leicht.