Die Trockenheit setzt dem Weinviertel massiv zu. Gleich an mehreren Messstellen ist der Grundwasserspiegel auf einen historischen Tiefstand gefallen. Von einer Auswertung von 21 Messstellen in den Bezirken Mistelbach, Gänserndorf, Korneuburg und Hollabrunn berichten die "Niederösterreichischen Nachrichten".
Besonders dramatisch ist die Situation in Laa an der Thaya (Bezirk Mistelbach). Dort wurde am 4. August ein Pegel von 178,286 Metern über Adria gemessen. Damit lag der Grundwasserspiegel um 18,4 Zentimeter unter dem bisherigen Negativrekord aus dem September 2017.
Auch in Pillichsdorf (Mistelbach) und Stopfenreuth (Gänserndorf) wurden neue Tiefststände gemessen. Weitere Orte könnten schon bald folgen.
"Es ist zu befürchten, dass in den kommenden Wochen weitere Negativrekorde fallen", warnt Greenpeace-Wassersprecher Herwig Schuster gegenüber der "NÖN". Die Wetterprognosen würden für die Region kaum Niederschlag erwarten lassen.
Die aktuelle Trockenheit trifft das Weinviertel besonders hart. Laut der Studie "Wasserschatz Österreichs" zählt die Region bereits grundsätzlich zu den wasserärmsten Gebieten Niederösterreichs.
Das Problem könnte sich in den kommenden Jahrzehnten noch deutlich verschärfen. In einem ungünstigen Szenario für das Jahr 2050 könnte der Wasserbedarf im Weinviertel und Marchfeld sogar höher sein als die verfügbare Grundwasserressource, heißt es.
Auffällig: Selbst Orte unmittelbar an großen Flüssen kämpfen mit niedrigen Pegeln. In Marchegg, Orth an der Donau und Stopfenreuth ist die Situation besonders angespannt.
„Wenn das Grundwasser weiter so niedrig bleibt, wird es nicht für alle genug geben.“Herwig SchusterGreenpeace-Wassersprecher
Schuster vermutet dahinter unter anderem die landwirtschaftliche Bewässerung. "Bei anhaltender Trockenheit steigt der Bewässerungsbedarf – und damit auch die Entnahmen aus dem Grundwasser", erklärt er gegenüber der "NÖN".
Auch heftige Regengüsse lösen das Problem nicht automatisch. Starkregen fließt häufig rasch über Bäche und Flüsse ab. Für das Grundwasser wäre regelmäßiger, mäßiger Regen wesentlich hilfreicher.
Trotz des Rekordtiefs ist die Trinkwasserversorgung in Laa derzeit nicht gefährdet. Das Wasser für die Stadt kommt unter anderem aus einer Quelle bei Neudorf sowie von EVN Wasser.
Auch Korneuburg meldet aktuell eine gesicherte Versorgung. Die Stadt appelliert wegen der anhaltenden Trockenheit dennoch an die Bevölkerung, sparsam mit Wasser umzugehen.
Langfristig sieht Schuster jedenfalls Handlungsbedarf. In Österreich fehle bisher ein umfassender Grundwasserentnahme-Kataster. Dadurch sei nicht exakt erfasst, wie viel Wasser Haushalte, Landwirtschaft und Industrie tatsächlich entnehmen.
"Wenn das Grundwasser weiter so niedrig bleibt, wird es nicht für alle genug geben", warnt Schuster gegenüber den "Niederösterreichischen Nachrichten". Dann könnten laut dem Experten auch Verbote beim Autowaschen oder beim Befüllen von Pools zum Thema werden.