Wer träumt nicht davon, dem Alltag zu entfliehen und sein eigenes kleines Reich zu besitzen? Auf Hildasay vor der schottischen Küste wird dieser Traum tatsächlich käuflich. Die rund 110 Hektar große Insel auf den Shetlandinseln steht für etwas mehr als 400.000 Euro bei Kelvin Anderson Estate Agent zum Verkauf - und damit weniger als die meisten Eigentumswohnungen.
Doch das vermeintliche Paradies hat einen Haken: Strom aus der Steckdose gibt es nicht, und auch das alte Steinhaus braucht Pflege.
Hildasay liegt westlich der Hauptinsel der Shetlandinseln und bietet jede Menge Platz für Naturfans und Ruhesuchende. Weite Grasflächen, felsige Küsten, kleine Buchten und zwei Süßwasserseen prägen das Landschaftsbild. Der höchste Punkt liegt gerade einmal 32 Meter über dem Meeresspiegel.
Die Fläche entspricht rund 154 Fußballfeldern. Statt Straßenlärm und Nachbarn warten hier Meeresrauschen, Vogelbeobachtung und ausgedehnte Spaziergänge. Laut dem zuständigen Makler gibt es auf den umliegenden Inseln keine dauerhaft bewohnten Nachbarhäuser.
Ganz von der Außenwelt abgeschnitten ist das Eiland dennoch nicht. Ein eigener Pier ermöglicht die Anreise mit dem Boot. Wer Hildasay besitzen möchte, braucht also nicht nur das nötige Kleingeld, sondern auch eine Lösung für die regelmäßige Überfahrt.
Zum Angebot gehört ein traditionelles Steinhaus, das ursprünglich als Wohnhaus eines kleinen landwirtschaftlichen Betriebs diente. Um 1992 wurde es umfassend renoviert. Später nutzten es die Eigentümer und ihre Gäste gelegentlich.
Im Inneren gibt es einen Wohnbereich mit Ofen, einen offenen Schlafbereich mit einem weiteren Ofen sowie einen separaten Waschraum mit Dusche, Waschbecken und Toilette. Eine moderne Luxusunterkunft ist das Gebäude allerdings nicht.
Zwar gilt das Haus laut Makler als wasserdicht, dennoch stehen Instandhaltungsarbeiten an. Fenster und Teile der Terrasse müssen überarbeitet werden. Wer aus dem alten Gemäuer ein gemütliches Inselrefugium machen will, muss daher zusätzlich Zeit und Geld investieren.
Der Kaufpreis allein dürfte für Interessenten nicht entscheidend sein. Hildasay ist nicht an das öffentliche Stromnetz angeschlossen. In der Vergangenheit kamen eine kleine Windturbine und ein Dieselgenerator zum Einsatz. Wie die Energieversorgung künftig aussehen soll, müssen Käufer selbst klären.
Auch bei Wasser und Abwasser ist genaues Hinsehen gefragt. Die bestehenden Lösungen sollten vor einem Kauf überprüft werden. Dazu kommen Reparaturen, laufende Instandhaltung und die logistischen Herausforderungen einer Insel, die nur per Boot erreichbar ist.
Wer regelmäßig auf Hildasay leben oder dort größere Arbeiten durchführen möchte, muss Material und Ausrüstung entsprechend organisieren. Der vermeintlich günstige Einstieg ins Inselleben kann sich dadurch rasch verteuern.
Heute ist Hildasay unbewohnt, doch das war nicht immer so. Historischen Aufzeichnungen zufolge lebten im Jahr 1891 rund 30 Menschen auf der Insel. Fischfang und Heringsverarbeitung waren damals wichtige Einnahmequellen. Auch der Abbau von Granit spielte eine Rolle.
Besonders bekannt ist Hildasay für seinen ungewöhnlich rot und grün gefärbten Granit. Noch heute sind Spuren früherer Steinbrüche zu erkennen. Berichten zufolge wurde das Gestein einst sogar mit einer kleinen Eisenbahn transportiert.
Überreste alter Gebäude und industrieller Anlagen erinnern an jene Zeit, als auf dem abgelegenen Eiland gearbeitet und gelebt wurde. Wer Hildasay kauft, erwirbt damit nicht nur eine große Fläche unberührter Natur, sondern auch ein Stück Geschichte der Shetlandinseln.