Für die Tierpfleger auf Gut Aiderbichl ist natürlich ein Verlust ihrer Schützlinge genauso schwierig zu verkraften wie für andere Haustierbesitzer. Oftmals wird schließlich ein ganzes Tierleben auf einem der Höfe verbracht, weshalb die Zuneigung und Bindung ebenso stark sein können, wie zum eigenen Tier. Kürzlich musste man sich von wohl größtem Schützling verabschieden, denn Shire-Horse "Pioneer" schlief friedlich in seinem Stall ein und wachte nicht mehr auf.
Seit 2017 war das gerettete Riesen-Septett "Charm", "Queen of Roses", "Tinkerbell", "Lilly", "Little Miss Emma", "Rocks Lane Ted" und auch "Pioneer" ein Teil des Tierschutzhofes in Henndorf, nachdem die tierlieben Besitzer aus Altersgründen keine Möglichkeit mehr gesehen hatten, ihre Pferde artgerecht zu versorgen. Zum Unterschied vieler anderer Schützlinge ging es den Shire-Horses immer gut: Sie wurden nie kommerziell ausgebeutet, mussten keine Leistungen erbringen und standen den ganzen Tag auf einer sonnigen Weide.
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Trotz der wundervollen Rasse gestaltete sich die Neuvermittlung mehr als schwierig, da nur alle sieben gemeinsam vergeben werden sollten. Eine Einzelvergabe wäre für die Besitzer keinesfalls infrage gekommen, da sich die Herde Schutz und Sicherheit gab. Auch wollten die Halter unbedingt das Versprechen des neuen Besitzers, dass keines der Pferde je zum Arbeiten oder Reiten eingesetzt werden würde.
Die Voraussetzungen konnten kaum von einer Privatperson erfüllt werden, weshalb der Weg zum Schlachter bald der einzige Ausweg gewesen wäre, und genau zu diesem Zeitpunkt erschien Gut Aiderbichl auf der Bildfläche.
Die Pferde wurden von den Tierschützern übernommen und konnten nach ein paar Umbauten der Pferdestallgasse auch schon in Salzburg einziehen. Nachdem man auch für Entspannung gesorgt hatte, indem man die größten Pferde der Welt in einer ganz bestimmten Reihenfolge in die Boxen stellte, war jeder der Beteiligten glücklich und zufrieden.
Laut den Tierpflegern war "Pioneer" ein ganz besonderer Riese, der schnell und gerne lernte zu gefallen. Vom Hufe heben für den Schmied, bis zum Nasenbussi für Besucher war der sanfte Wallach zu allem bereit und mauserte sich schnell zum Liebling.
Leider waren die letzten Jahre gesundheitlich für den hübschen Kerl eine Achterbahnfahrt, die in den letzten Monaten nur noch bergab gehen wollte. Arthrose, kranke Hufe, Atem- und Schlafprobleme machten "Pioneer" zu schaffen, schreiben die Tierpfleger auf der Facebook-Seite von Gut Aiderbichl. Eines Nachts legte sich der große Bub zum Schlafen und wachte nicht mehr auf, während seine beste Freundin "Charm" ihn bewachte. Gute Reise, "Pioneer".