Er schaut harmlos aus, doch der 18-Jährige mit dem freundlichen Gesicht soll laut Gericht jede Menge kriminelle Energie haben. Der Jugendliche schlurfte Dienstag (20.1.) im schwarzen "Los Angeles"-Pulli erneut in den Gerichtssaal. Die Handschellen waren an einem Bauchgurt fixiert – eine "Sonderbehandlung" für gefährliche Straftäter.
Der Bursche wurde in drei Jahren bereits drei Mal verurteilt. Zum ersten Mal stand der Wiener mit 15 Jahren wegen schweren Raubes vor Gericht. Im Häf'n kam es nun im Sommer erneut zu einem Eklat.
Der 18-Jährige war mit zwei anderen Häftlingen in einer Zelle der Krankenabteilung der Wiener Justizanstalt Josefstadt untergebracht gewesen. Am 14. August trank er dort Desinfektionsmittel. "Ich wollte vergessen, dass ich eingesperrt bin", murmelte der 18-Jährige vor Gericht. Im Rausch attackierte er einen Mithäftling, fixierte den 31-Jährigen, fesselte ihn mit Geschirrtüchern und soll versucht haben, ihn mit einem Plastik-Müllsack zu ersticken. Das Opfer kämpfte verzweifelt um sein Leben.
Zum Glück kam der dritte Häftling (21) gerade noch rechtzeitig vom WC zurück in die Zelle. "Er ist auf dem Opfer drauf gelegen. Ich hab ihn runtergezogen und ihm ein paar Watschen gegeben", erzählte er per Videoschaltung.
Der "Lebensretter" hatte im Februar im Drogenrausch eine Bekannte (47) in einer AirBNB-Wohnung in Wien-Leopoldstadt brutal erschlagen. Als die alarmierten Einsatzkräfte nach wenigen Minuten eintrafen, war die Frau bereits tot – der Angreifer hatte ihr mit Fäustschlägen und Tritten das Gesicht zertrümmert. Seine Strafe sitzt der 21-Jährige nun im Maßnahmenvollzug in der Justizanstalt Garsten (OÖ) ab. Von dort wurde er am Dienstag als Zeuge per Video in den Gerichtssaal zugeschaltet.
"Er war enorm betrunken", so der verurteilte Mörder über seinen ehemaligen Zellenkollegen. "Er hat mir einen Faustschlag auf's Auge verpasst. Dann hab ich mich verteidigt und ihm die Nase gebrochen." Der 18-Jährige sei bewusstlos geworden. Erst nach 20 Minuten wurde der Notknopf gedrückt, Justizwachebeamte eilten sofort in die total verwüstete und blutverschmierte Zelle. Das Opfer wurde in Sicherheit gebracht. Der 18-Jährige (Verteidigung: Fabian Paulista) stritt am Dienstag den Vorwurf des Mordversuchs ab.
Der 18-Jährige soll laut Gutachter an einer schweren Persönlichkeitsstörung leiden. Urteil am Dienstag: 15 Jahre Haft plus Einweisung, wir berichteten. Der Spruch ist noch nicht rechtskräftig.