Da unsere getigerten Hauskatzen wirklich gerne optisch mit echten Wildkatzen verwechselt und vor allem Jungtiere oder Kitten der "wilden Waldbewohner" vermeintlich gerettet werden, schauen wir uns einmal die Unterschiede genauer an. Nachdem dieses seltene Tier nämlich als völlig verschwunden gegolten hat, konnte man in den letzten Jahren wieder Nachweise durch Haarproben im Waldviertel, der Wachau, aber auch im Nationalpark Thayatal und einigen Bundesländern feststellen.
Auch wenn das Fell und die Größe der Europäischen Wildkatze an eine buschige Variante der grau getigerten Hauskatze erinnern, haben beide ganz verschiedene Abstammungen. Der Vorfahre unserer Schnurrlis ist die Afrikanische Falbkatze, die bereits vor 10.000 Jahren domestiziert und von Menschen gehalten wurde, um Mäuse von Getreidespeichern fernzuhalten. Die europäische Wildkatze jedoch war nie dem Menschen zugetan, immer wild und frei bis heute.
Die Europäische Wildkatze steht in der gesamten Europäischen Union unter strengem Schutz. Die Mitgliedstaaten sind verpflichtet, die seltene Raubkatze und ihre Lebensräume zu erhalten. Trotz dieses Schutzstatus gilt die Art in vielen Regionen Europas weiterhin als selten, in Österreich befindet sie sich erst seit einigen Jahren wieder auf dem Vormarsch.
Einer Wildkatze tatsächlich im Wald zu begegnen, gleicht einem Lotto-Sechser, da sie lautlose Jäger sind, die in der Nacht aktiv werden und tagsüber irgendwo in den Baumkronen, verlassenen Dachsbauten und zwischen Felsen schlummern. Auch wenn ihre Zeichnung der einer getigerten Hauskatze ähnelt, so ist ihr Muster "verwaschener" und nur der buschige Schweif mit zwei bis drei dunklen Ringen und einer schwarzen Schwanzspitze zeigt großen Kontrast. Männchen sind etwas größer als Hauskatzen und wiegen bis zu acht Kilogramm.
Jungtiere im Wald sollte man ganz genau kontrollieren, da es hier am häufigsten zu Verwechslungen kommen kann. Die wilden Katzenbabys sind vielleicht etwas gedrungener, mit runderem Kopf, unterscheiden sich aber kaum von Hauskatzen-Kindern.
Gerade im Zeitraum, wenn die Mutter auf der Jagd ist, meinen es Wanderer oft gut und nehmen die vermeintlich ausgesetzten Kitten mit. Eine Katastrophe für die Population, da gerade Wildkatzenbabys sehr gefährlich leben.
Neben unserer Schuld an Zerschneidung der Lebensräume und der Abholzung der Wälder ist auch die sogenannte "Hybridisierung" bei der Europäischen Wildkatze ein großes Problem. Sie machen während der Paarungszeit zwischen Hauskatzen und Artgenossen keinen großen Unterschied, verlieren aber so die genetische Eigenständigkeit.