Gerhard Zeiler hat seinen Hut für den SPÖ-Vorsitz in den Ring geworfen. Dass sich bisher kein Spitzenfunktionär öffentlich hinter ihn gestellt hat, ändert an seiner Bereitschaft nichts. Der Medienmanager erklärt im Gespräch mit der "Kleinen Zeitung", seine Entscheidung sei nach zahlreichen Gesprächen innerhalb der Partei gefallen.
"So kann es mit der SPÖ nicht weitergehen, würdest du zur Verfügung stehen?", hätten ihm Spitzenfunktionäre und einfache Mitglieder in den vergangenen Wochen und Monaten gesagt. Zeiler habe sich die Entscheidung nicht leicht gemacht und auch mit seiner Familie darüber gesprochen. Nun sieht er die Partei am Zug.
"Jetzt ist es an der SPÖ zu entscheiden, wie es weitergehen soll – mit Andreas Babler, mit mir oder einem Dritten. Wie auch immer das ausgeht, bin ich mit mir im Reinen", stellt er gegenüber der "Kleinen Zeitung" klar.
Am Mittwoch fliegt Zeiler in die USA und bleibt dort bis Ende nächster Woche. Eine rasche Klärung der Führungsfrage hält er für sinnvoll, eine konkrete Frist will er der SPÖ aber nicht setzen.
"So schnell wie möglich, heißt so schnell wie möglich. Ich werde da keine Vorgaben geben, das muss die Partei selbst entscheiden. Ob das jetzt ein paar Tage, ein paar Wochen oder bis Ende des Jahres dauert: Von mir gibt es da keinen Druck", sagt Zeiler zur Tageszeitung.
Mit seinem Vorstoß habe er zunächst Bewegung in die Partei bringen wollen. Hintergrund sei die Unzufriedenheit innerhalb der SPÖ.
Inhaltlich verweist Zeiler auf seine mehr als 50 Jahre dauernde SPÖ-Mitgliedschaft. Als politische Vorbilder nennt er Bruno Kreisky, Anton Benya, Fred Sinowatz und Johanna Dohnal.
Seine Vorstellung von Sozialdemokratie beschreibt er in der "Kleinen Zeitung" so: "Sozialdemokratie heißt für mich: so viel Wohlstand wie möglich für alle." Dabei spricht sich Zeiler für Verteilungsgerechtigkeit aus, betont aber gleichzeitig, dass das zu Verteilende zunächst erarbeitet werden müsse. Auch die Staatsquote von 55 Prozent ist ihm zu hoch.
"Der Staat darf kein scheues Rehlein sein, aber er darf auch nicht wie ein Sumoringer ausschauen", sagt der 71-Jährige zur Tageszeitung. Zeiler fordert außerdem klare Kompetenzen für Bund, Länder und Gemeinden. Reformen müssten seiner Ansicht nach entschlossener und schneller umgesetzt werden.
Als eine seiner zentralen Aufgaben sieht Zeiler die wirtschaftliche Entwicklung. "Wir müssen jetzt die Wirtschaft unterstützen. Das ist die Priorität Nummer eins. Damit wir nicht noch weiter runterfallen", stellter er im Gespräch mit der "Kleinen Zeitung" klar.
Auch Investitionen in Energienetze und Wohnbau müssten schneller erfolgen. Dabei solle auch privates Kapital eingesetzt werden. Bei den Pensionen spricht sich Zeiler dafür aus, Kapital aufzubauen, damit nicht alles aus dem Budget finanziert werden müsse.
Bei Migration und Integration zieht er eine Grenze zur FPÖ und betont gleichzeitig Pflichten für Menschen, die nach Österreich kommen.
"Wer die Gastfreundschaft verletzt, hat das Gastrecht verloren. Und wer zu uns kommen kann, der soll für eine gewisse Zeit – 18 Monate oder zwei Jahre – Hilfe bekommen, um die Sprache und Werte zu lernen, aber dann geht es darum, zu arbeiten und Steuern zu zahlen", sagt Zeiler zur "Kleinen Zeitung".
Deutliche Worte findet Zeiler für FPÖ-Chef Herbert Kickl und dessen Umfeld. Die FPÖ sei früher wirtschaftsliberal und rechtskonservativ gewesen, unter Kickl habe sich die Bundespartei aus seiner Sicht verändert.
"Doch Kickl und sein kleiner Kreis haben die Partei ins Extreme geführt", sagt Gerhard Zeiler zur "Kleinen Zeitung".
Anders beurteilt Zeiler die Zusammenarbeit mit der FPÖ auf Landes- und Gemeindeebene. Zur Steiermark sagt er: "In der Steiermark stellt sie sogar den Landeshauptmann; das ist schwer okay. Das Problem sind Kickl und sein Umfeld."
Auch zum ORF äußert sich der frühere Medienmanager. Dem künftigen Generaldirektor Clemens Pig wünscht er alles Gute. Dass dieser und die neue Finanzdirektorin keine Erfahrung bei Fernsehen und Radio hätten, sieht Zeiler allerdings kritisch.
"Es ist gut, dass der künftige Generaldirektor von außen kommt, aber dass er und die neue Finanzdirektorin keine TV- und Radioerfahrung haben, ist ein gewisses Wagnis", sagt Zeiler zur Tageszeitung.
Auf die scharfe Kritik des Schriftstellers Robert Menasse an seiner Person will Zeiler hingegen nicht eingehen. "Gar nichts, man muss nicht jedem antworten."
Zeiler hat seine Bereitschaft erklärt, den SPÖ-Vorsitz zu übernehmen. Ob die Partei künftig mit Andreas Babler, mit Zeiler oder mit einem anderen Kandidaten weitermacht, sieht er nun als Entscheidung der SPÖ.