Ab 31. Juli gilt in Österreich die neue EU-Richtlinie zum Recht auf Reparatur. Damit soll es einfacher werden, kaputte Elektrogeräte zu reparieren und weniger Elektroschrott zu produzieren. Doch eine aktuelle Studie, die im Auftrag des Unternehmens "Wertgarantie" durchgeführt wurde, zeigt: Für die meisten bleibt der Preis die größte Hürde.
So sagen rund zwei Drittel der Leute in Österreich, dass Reparaturen grundsätzlich zu teuer sind, wenn man sie mit dem Neukauf vergleicht. Damit ist der Preis das Hauptargument gegen nachhaltigen Konsum – noch vor dem Alter der Geräte.
In Österreich wird derzeit nur etwa jedes zweite defekte Elektrogerät, das unter die neue Regelung fällt, wirklich repariert. Laut Studie sind vor allem die hohen Reparaturkosten ausschlaggebend für die Entscheidung gegen eine Instandsetzung. Diese könnten durch die neue Richtlinie sogar noch steigen – zum Beispiel wegen teureren Ersatzteilen oder mehr Personalaufwand. Ganze 67 Prozent der Befragten empfinden Reparaturen als zu teuer im Vergleich zu einem neuen Gerät.
Auch das Alter spielt eine Rolle: Ist das Gerät schon älter, halten 32 Prozent eine Reparatur nicht mehr für sinnvoll – selbst wenn es technisch noch möglich wäre. Besonders günstige Neugeräte verschärfen das Problem: Wenn ein neues Gerät nur wenig mehr kostet als die Reparatur, entscheiden sich 17 Prozent der Haushalte gegen das Flicken des alten Geräts.
"Unsere Untersuchung zeigt klar: Hohe Kosten – besonders im Vergleich zu neuen Geräten – und das Alter des Produkts sind für viele österreichische Konsumenten ausschlaggebend gegen eine Reparatur", erklärt Thilo Dröge, Geschäftsführer Vertrieb bei Wertgarantie. "Wenn Verbraucher das Gefühl haben, dass sich Reparieren finanziell nicht lohnt, dann verliert das Recht auf Reparatur in der Praxis an Wirkung. Wir müssen den Blick darauf richten, Reparaturen wirtschaftlich attraktiver zu machen – für Konsumenten ebenso wie für den Handel."
Ein weiteres Problem: Das Recht auf Reparatur ist bei vielen noch gar nicht bekannt. Nur 40 Prozent der Leute haben überhaupt schon davon gehört. Im Fachhandel schaut es besser aus, dort kennen sich rund 60 Prozent mit den Details der Richtlinie aus. Für Thilo Dröge ist das ein klarer Auftrag: Angesichts der neuen gesetzlichen Regelungen brauche es eine "praxistaugliche Umsetzung".
Trotz der Herausforderungen sieht Dröge die Entwicklung positiv: "Das Recht auf Reparatur ist eine große Chance für Österreich, um Ressourcen zu schonen und Elektroschrott zu reduzieren. Entscheidend wird sein, dass Handel, Industrie und Dienstleister eng zusammenarbeiten und tragfähige Strategien entwickeln, um das Ziel 'Reparieren statt Wegwerfen' erfolgreich und nachhaltig umzusetzen."
Das neue EU-"Recht auf Reparatur" verpflichtet Hersteller, für bestimmte Geräte über einen längeren Zeitraum Reparaturen anzubieten. Verbraucher sollen defekte Produkte einfacher und häufiger reparieren lassen, statt sie neu zu kaufen.
Für die Studie wurden im März 2026 in Österreich 2.400 Personen online befragt, dazu kamen 42 Fachhandelsunternehmen.