Tierischer Ratgeber

Hundeangriff? So verhältst du dich richtig

Tierschutzqualifizierte Hundetrainerin & Hundeverhaltensberaterin Sandra Schramek hat ein paar Tipps im Umgang mit aggressiven Hunden.
Christine Kaltenecker
09.08.2025, 08:45
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Diverse Bissunfälle der letzten Zeit rücken den sonst so geliebten Wauzi für viele in ein ziemlich ungutes Licht. Oftmals wird nach Tragödien vergessen, dass ein Hund weder Maschine noch Monster ist und die Gründe häufig missinterpretiert werden. "Heute-tierisch" spricht mit der tierschutzgeprüften Hundetrainerin und Hundeverhaltenstherapeutin Sandra Schramek über typische Trigger und Fehler in der Hundeerziehung.

Die Kirche im Dorf

Auch wenn jeder Hundebiss und Negativ-Vorfall eine Katastrophe im jeweiligen Fall darstellt, die wir keinesfalls schmälern möchten, sollten trotzdem ein paar Zahlen die Relation zu Hetz-Artikeln wieder herstellen. Nur etwa 0,5 Prozent aller Hundebisse werden jährlich in unseren Krankenhäusern behandelt und bestätigen, dass der Hund natürlich keine menschenzerfleischende Kreatur aus der Hölle ist. Auch steht außer Zweifel, dass es sich hier meist um bekannte Hunde handelt und der Vierbeiner nur im seltensten Fall einfach fremde Personen zwickt.

„Die Einschätzung des eigenen Hundes ist leider immer noch oftmals einfach falsch“
Sandra SchramekTierschutzgeprüften Hundetrainerin und Hundeverhaltenstherapeutin

Bei mindestens einer Aussage geht Schramek auch mit Hundeprofi Martin Rütter konform: "Der tut nix", hört auch sie sehr häufig und malt ein ziemlich naives Bild des Besitzers. "Diese Behauptung würde ein verantwortungsvoller Halter nie aufstellen", meint die Hundetrainerin kopfschüttelnd. Hunde sind Lebewesen mit Launen und schlechten Tagen, mit (manchmal) Schmerzen und Krankheiten – "Der tut nix" hat also im Hundejargon gar nichts verloren.

Wieso immer Kinder?

Warum meistens Kinder die Opfer von nervösen Hunden werden, liegt ebenfalls für die Hundetrainerin klar auf der Hand. "Nur die wenigsten Hunde bleiben entspannt, wenn sie ohne Kinder aufwachsen und plötzlich mit diesen hastigen, schnellen Bewegungen oder auch den guten Lungen von den Bauxerln konfrontiert werden", erklärt Schramek. "Kinder sind einfach für einen Hund schwer zu lesen und möchten häufig 'erzogen' werden". Doch wie erzieht der Hund? Er nimmt den Welpen und schüttelt ihn mal kurz durch, was mit einem Kleinkind freilich ein schmerzvolles Problem darstellt.

„Aggressive Hunde entsprechen keinesfalls der Norm. Meistens beißen unsichere Hunde im Affekt zu.“

"Leider gibt es auch immer noch Haushalte, wo die Erziehungsberechtigten der Meinung sind, dass der Hund im Rang unter einem Kleinkind stünde", schüttelt Schramek den Kopf. Hier ist dann Feuer am Dach, wenn für den Hund die normale Kommunikation nicht mehr ausreicht. Er züngelt, er zeigt Zähne, er knurrt – vermutlich sogar monatelang – doch erst der Biss verscheucht das Kind. Lernkurve? Gefährlich!

Sorgfaltspflicht

"Besitzer müssen einfach Verantwortung für den Hund übernehmen, ihn gut verwahrt wissen und auch bitte, bitte ihn endlich lesen lernen", mahnt Schramek.

„Viele Unfälle könnten vermieden werden, wenn man sich vor der Anschaffung eines Hundes genauso gewissenhaft mit der Materie beschäftigt, wie vor dem Kauf eines neuen Autos“

Wenn der Hund stinksauer ist: 

- Nicht hektisch mit den Händen fuchteln;

- Ruhe bewahren und abwarten was der Hund macht;

- Nie gerade auf einen fremden Hund zugegehen;

- Beschwichtigen indem man sich zur Seite dreht und Augenkontakt vermeidet:

- Auf keinen Fall weglaufen wegen des Jagdinstinkts;

- Hund anschreien mit einem lauten "Hey", noch bevor er beisst;

- Mit Wasser bespritzen kann helfen;

Die Optik spielt immer noch eine größere Rolle als Genetik und Rasse und ein frustrierter Hund ist selten ein souveräner Hund. "Umgekehrt, sollten aber auch Eltern für ein gesellschaftliches Miteinander ihren Kindern beibringen, fremde Hunde nicht einfach zu streicheln, oder daran vorbeizulaufen".

{title && {title} } tine, {title && {title} } 09.08.2025, 08:45
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