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Es ist KV-Saison! 3,3 Prozent Teuerungsausgleich, kürzere Arbeitszeiten und Zuschläge: In mehreren Branchen liegen die Forderungen weit auseinander.
04.11.2026, 22:18
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Der November ist traditionell die Zeit der Kollektivvertrags-Verhandlungen. In gleich mehreren Branchen kommen die KV-Verhandlungen derzeit aber nicht voran. Besonders angespannt ist die Lage bei den Eisenbahnen: Die dritte Gesprächsrunde endete am Mittwoch ohne Ergebnis. Auch für rund 50.000 Beschäftigte im Güterbeförderungsgewerbe brachte der Auftakt keine Einigung. Im Handel liegen Gewerkschaft und Arbeitgeber ebenfalls auseinander. Bei den privaten Sicherheitsdiensten gibt es zwar Gespräche, aber noch keinen Abschluss.

Eisenbahner fordern kürzere Arbeitszeit

Rund 55.000 Beschäftigte in 98 österreichischen Eisenbahnunternehmen warten auf einen neuen Kollektivvertrag. Die Gewerkschaft vida verlangt neben dem vollen Ausgleich der rollierenden Inflation von 3,26 Prozent eine Verkürzung der Wochenarbeitszeit von 40 auf 38,5 Stunden. Außerdem sollen die Arbeitsbedingungen in den verschiedenen Unternehmen stärker angeglichen werden. Die Gewerkschaft kritisiert, dass sich die Arbeitgeber bei diesen Forderungen bisher zu wenig bewegen. Am Donnerstag will vida bei einer Betriebsrätekonferenz über das weitere Vorgehen beraten. Die nächste Verhandlungsrunde ist für 10. November geplant.

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Die Arbeitgeberseite sieht die Forderungen hingegen als wirtschaftlich schwer umsetzbar. Eine Arbeitszeitverkürzung auf 38,5 Stunden innerhalb eines Jahres würde die Gehaltskosten nach ihren Berechnungen ohne Zuschläge um 3,89 Prozent erhöhen. Werden bestehende Zuschläge berücksichtigt, wären es 4,87 Prozent. Die Arbeitgeber schlagen deshalb einen Abschluss über zwei Jahre vor. Zusätzlich zur Arbeitszeitverkürzung eine Gehaltserhöhung zu verlangen, sei aus ihrer Sicht nicht tragbar. Die Arbeitgeber sprechen von einem Rückschritt in den Verhandlungen.

Streit um Löhne und Zuschläge bei Lkw-Fahrern

Auch bei den Kollektivvertragsverhandlungen für rund 50.000 Beschäftigte im Güterbeförderungsgewerbe liegen die Positionen weit auseinander. Die Gewerkschaft vida verlangt einen Teuerungsausgleich von 3,3 Prozent. Die Arbeitgeberseite hält diese Forderung angesichts der wirtschaftlichen Lage der Branche für nicht darstellbar und verweist auf die Gesamtbelastung der Betriebe. Einzelne Forderungen zum Arbeitsrecht könnten nach Berechnungen der Wirtschaftskammer Kostensteigerungen im deutlich zweistelligen Prozentbereich verursachen. Die Arbeitgeber zeigen sich grundsätzlich zu einer moderaten Lohnerhöhung bereit.

Besonders umstritten sind mögliche Änderungen bei den Arbeitsbedingungen. Laut vida wollen die Arbeitgeber Überstundenzuschläge faktisch streichen, Zeitausgleich einseitig anordnen können und die Haftung der Fahrer für Schäden an den Lkw ausweiten. Das würde nach Ansicht der Gewerkschaft Einkommen und Freizeit der Beschäftigten belasten. Die Wirtschaftskammer stellt diese Punkte in ihrer Aussendung als kostenintensive Forderungen im Rahmenrecht dar. Eine Einigung gab es in der ersten Runde nicht. Weiterverhandelt wird am 12. November.

Die vida verweist außerdem auf einen Mangel an Lkw-Fahrern. In Österreich würden derzeit rund 8.000 Lenkerinnen und Lenker fehlen. Ein Drittel der aktiven Fahrer sei älter als 55 Jahre, jährlich verliere die Branche rund 2.000 Beschäftigte. Die Gewerkschaft fordert daher bessere Arbeitsbedingungen, um den Beruf attraktiver zu machen.

Handels-KV: 2,1 Prozent plus 350 Euro angeboten

Im Handel ist die zweite Verhandlungsrunde am Dienstag ohne Einigung zu Ende gegangen. Betroffen sind rund 420.000 Angestellte. Das Angebot der Arbeitgeber sieht für 2027 eine dauerhafte Gehaltserhöhung um 2,1 Prozent sowie eine einmalige Teuerungsprämie von 350 Euro vor. Die Gewerkschaft GPA lehnt das Angebot als unzureichend ab und fordert eine Verbesserung. Neben den Gehältern geht es auch um Zuschläge für Mehrarbeit und kurzfristiges Einspringen, eine verpflichtende Fünf-Tage-Woche sowie einen leichteren Zugang zur sechsten Urlaubswoche. Die nächste Runde ist für 17. November angesetzt.

Die Wirtschaftskammer begründet ihr Angebot mit der schwierigen wirtschaftlichen Lage des Handels. Laut einer von ihr angeführten Auswertung von 1.242 Jahresabschlüssen stieg der Anteil der Fixkosten am Umsatz im Einzelhandel zwischen 2023 und 2025 auf 31,5 Prozent. Für den gesamten Handel lag er 2025 bei 25,1 Prozent. Zudem seien die realen Umsätze zuletzt kaum gewachsen. Die GPA hält dagegen, dass die Beschäftigten stärker an der Entwicklung der Branche beteiligt werden müssten. Sie verweist unter anderem auf geplante Gewinnausschüttungen von rund einer Milliarde Euro.

Bei Sicherheitsdiensten wird weiterverhandelt

Noch keine Einigung gibt es auch für rund 15.700 Beschäftigte privater Sicherheitsdienste. Die Gespräche waren Ende Oktober gestartet. Die Sozialpartner einigten sich dabei auf den Berechnungszeitraum für die rollierende Inflation: Von Oktober 2025 bis September 2026 lag diese laut vida bei rund 3,3 Prozent. Die Gewerkschaft fordert einen entsprechenden Lohnausgleich, den 13. und 14. Monatslohn in voller Höhe ohne Wartezeit sowie eine höhere Nachtzulage.

Die erste Gesprächsrunde bezeichnete vida als konstruktiv. Einen Abschluss gibt es aber noch nicht. Die Verhandlungen sollen am 12. November fortgesetzt werden. Der neue Kollektivvertrag soll ab 1. Jänner 2027 gelten. In der niedrigsten Lohngruppe verdienen Beschäftigte laut Gewerkschaft derzeit 12,63 Euro brutto pro Stunde.

red, 04.11.2026, 22:18