Bei erneuter Eskalation

Iran droht mit Angriffen auf Unterseekabel im Golf

Iran droht bei erneuter Eskalation mit Angriffen auf Unterseekabel im Golf. Experten erwarten jedoch begrenzte Auswirkungen auf das Internet.
23.10.2026, 21:20
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Der Iran hat detaillierte Pläne ausgearbeitet, um bei einem erneuten Angriff der USA und Israels Unterseekabel im Persischen Golf ins Visier zu nehmen. Das sagten zwei ranghohe iranische Sicherheitsbeamte der Nachrichtenagentur Reuters. Einer von ihnen kündigte an, Reparaturen nach möglichen Angriffen verhindern zu wollen, damit die Störungen länger andauern. Die Beamten sprachen anonym. Wo und wie genau der Iran zuschlagen könnte, ließen sie offen.

Einer warnte: "Wenn der Iran angegriffen wird, gibt es keine roten Linien mehr ... von Unterseekabeln bis zu Militärstützpunkten, auch zu geheimen." Washington solle "nicht mit dem Feuer spielen", sagte der Beamte. Der Iran habe uneingeschränkten Zugang zu den Unterseekabeln und könne sie leicht zerstören.

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Yadollah Javani, Vizechef für politische Angelegenheiten bei den iranischen Revolutionsgarden, hatte am Mittwoch erklärt, der Iran könnte sieben wichtige Internetkabel unter der Straße von Hormus angreifen, falls iranische Infrastruktur attackiert werde. Über Unterseekabel laufen laut der Internationalen Fernmeldeunion rund 99 Prozent des weltweiten Internetverkehrs. Die Folgen eines Angriffs auf Kabel in der Straße von Hormus wären weltweit aber wohl begrenzt: Weniger als ein Prozent der internationalen Datenkapazität verläuft durch die Meerenge, sagte Alan Mauldin vom Telekommunikationsforschungsunternehmen TeleGeography.

"Stärkere Antwort"

Die Straße von Hormus liegt zwischen dem Iran und Oman. Sie verbindet den Persischen Golf mit dem Golf von Oman und dem Arabischen Meer. Das US-Außenministerium und das iranische Außenministerium reagierten zunächst nicht auf Anfragen zu den Aussagen. Auch von den Golfstaaten gab es vorerst keine Stellungnahme. Die Pläne zeigen, dass die iranische Führung davon ausgeht, auf einen neuen US-Militäreinsatz stärker reagieren zu müssen als bisher.

Der ranghohe Sicherheitsbeamte Mohsen Rezaei warnte diesen Monat, bei einem neuen Konflikt könnten digitale Einrichtungen mit Verbindung zu den USA im gesamten Golf angegriffen werden. Dazu zählte er Rechenzentren und Anlagen für künstliche Intelligenz. Die Verbündeten der USA am Golf haben viel Geld in solche Infrastruktur investiert. Sie sollten "Washington und nicht Teheran für Schäden an Unterseekabeln verantwortlich machen", sagte der zweite iranische Sicherheitsbeamte. Alex Vatanka, Leiter des Iran-Programms am Middle East Institute in Washington, sieht in den Drohungen einen Versuch, einen neuen Konflikt abzuwenden und Druck auf die USA auszuüben.

Golfstaaten und US-Unternehmen sollten um ihre Investitionen in der Region fürchten. "Teheran will, dass Golfstaaten und Unternehmenschefs (US-Präsident Donald) Trump wegen der Risiken unter Druck setzen, die seine Politik für ihre Investitionspläne bedeutet", sagte Vatanka. Mehrere beschädigte Kabel könnten das Internet verlangsamen und Finanzgeschäfte, den Online-Handel sowie Cloud-Dienste stören, erklärten Fachleute. Wie stark die Auswirkungen wären, hinge davon ab, ob Daten über andere Verbindungen umgeleitet werden können und wie viel Kapazität dort verfügbar ist, sagte Mauldin.

Verbindungen zwischen Europa, Ostafrika und Asien

Reparaturen während eines Kriegs wären schwierig. Höhere Versicherungskosten und Verzögerungen bei Genehmigungen für Arbeiten in Hoheitsgewässern könnten sie zusätzlich erschweren. Das Rote Meer könnte ein bedeutenderes Ziel sein als die Straße von Hormus – vor allem, falls der Iran Unterstützung von seinen Verbündeten der Huthi im Jemen bekäme.

Teheran hat allerdings öffentlich nicht angekündigt, dort Kabel angreifen zu wollen. Durch das Rote Meer laufen Datenverbindungen zwischen Europa, Ostafrika und Asien. Die dortige Kapazität deckt laut Mauldin rund drei Prozent des weltweiten internationalen Datenbedarfs ab. Etwa zehn Prozent des Datenverkehrs zwischen verschiedenen Regionen verlaufen über die Route. Die Golfstaaten investieren stark in Technologie.

Sie wollen unabhängiger vom Öl werden und sich als internationale Zentren für künstliche Intelligenz etablieren. Zugleich bauen sie ihre Beziehungen zu US-Technologiekonzernen aus. Im März trafen iranische Angriffe zwei Einrichtungen von Amazon Web Services in den Vereinigten Arabischen Emiraten. Infrastruktur in der Nähe einer weiteren Einrichtung in Bahrain wurde beschädigt.

Die Revolutionsgarden erklärten damals US-Technologiekonzerne wie Microsoft, Google, Apple und Nvidia zu legitimen Zielen. Verbindungen an Land können als Ausweichrouten dienen. Golfstaaten und US-Technologiekonzerne investieren deshalb in zusätzliche Infrastruktur, um die Netze widerstandsfähiger zu machen. Microsoft will bis 2030 mehr als 400 Millionen Dollar in Unterseekabel und Verbindungen an Land im Nahen Osten investieren.

red, 23.10.2026, 21:20
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