In vielen Teilen Österreichs wird sehnlichst auf den Frühlingsregen gewartet, denn diese außergewöhnliche Trockenheit bedroht nicht nur die Existenz der Landwirte durch Ernteausfälle, sondern auch unserer Nutztiere, weil es kaum zu Fressen gibt.
„Alle Bestände sind extrem geschädigt und der erste Grasschnitt, der übers Jahr gesehen 50 Prozent des Futters ausmacht, ist fast tot“Josef EschenauerLandwirt, St. Veit, Kärnten
Der Kärntner Landwirt Josef Eschenauer besitzt 90 Hektar Ackerland, 50 Hektar Grünland und 100 Hektar Wald doch seine Rinder fressen im Stall, weil auf der Weide kaum noch etwas wächst. Sogar die Luzerne, die sonst als "Königin der Futterpflanzen" auch längere Trockenphasen gut übersteht, ist heuer braun. Die Triticale – eine Kreuzung aus Weizen und Roggen – bleibt mit 50 statt 90 Zentimeter viel zu niedrig. Der Mais, der gerade ausgesät wurde, lechzt nach Wasser.
"Den Pflug kann ich derzeit nicht einsetzen, die Erde ist wie Asche. Und im Forst hat der Borkenkäfer leichtes Spiel. Die Jungpflanzen, die ich vor drei Wochen gesetzt habe, haben kein Wasser abbekommen", schildert Eschenauer. Immerhin kann die Dürreversicherung, die über die Hagelversicherung läuft, den Schaden zumindest etwas abfedern.
"So eine lang anhaltende Trockenheit gab es im Frühjahr noch nie", sagt Landwirtschaftskammerpräsident Siegfried Huber und spricht von einer "Jahrhundert-Trockenheit", die die Landwirtschaft bedroht.
Beim ersten Grasschnitt fehlen 50 bis 80 Prozent, insgesamt rechnet man mit Ernteausfällen zwischen 20 und 70 Prozent. "Kommt in den nächsten zwei Wochen kein ergiebiger Regen – und die Meteorologen sehen keinen –, tritt das Worst-Case-Szenario ein und wir haben Totalausfälle", so Huber am Mittwoch bei einer Pressekonferenz am Zollfeld. Als es dort kurz zu tröpfeln beginnt, sagt er: "Wir brauchen Regen von 50 Litern pro Quadratmeter und keinen Tropfen auf dem heißen Stein."
Auch die Industrie leidet, denn eine Milchkuh braucht rund 150 Liter Wasser am Tag. Im Lavanttal sind die Quellen allerdings schon versiegt, weshalb die Feuerwehr Wasser zu den Bauern bringt, um die Tiere versorgen zu können.
Die Landwirtschaftskammer Kärnten plant nun eine Studie, um zu prüfen, ob eine Bewässerungsschiene für die Landwirtschaft möglich wäre. Der Zeithorizont dafür: 20 Jahre. Huber meint: "Prognosen gehen davon aus, dass wir in 20, 30 Jahren das Klima von Udine haben. Da bleibt uns dann nichts anderes übrig, als Bewässerung."