Nach Galliano-Eklat

Jeans und T-Shirts? Das ist das neue Thema der Met Gala

Nach dem abgesagten Galliano-Spektakel setzt das Costume Institute auf das Motto "extraORDINARY: Mode und die Poetik des Alltäglichen".
06.11.2026, 12:45
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Jeans statt Haute Couture, T-Shirts statt opulenter Roben? Bei der Met Gala 2027 rückt unter dem neuen Motto "extraORDINARY: Mode und die Poetik des Alltäglichen" plötzlich die ganz normale Alltagskleidung ins Rampenlicht. Im Mittelpunkt stehen Kleidungsstücke, die fast jeder im Schrank hat: Jeans, T-Shirts, Hemden und Trenchcoats. Dazu kommen Materialien, die normalerweise kaum jemand mit Luxusmode verbindet – darunter Papier, Aluminium und Kunststoff.

Was auf den ersten Blick unspektakulär klingt, soll in New York jedoch zum großen Modeereignis werden. Die Ausstellung soll zeigen, wie Designerinnen und Designer aus vermeintlich banalen Dingen tragbare Kunst machen. Verantwortlich für das Konzept ist Andrew Bolton, leitender Kurator des Costume Institute. Unterstützt wird er von Stephanie Kramer und Emily Mushaben.

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Wann die Met Gala 2027 stattfindet

Die große Gala steigt am 3. Mai 2027 in New York. Für die Öffentlichkeit öffnet die Ausstellung am 9. Mai 2027. Bis zum 9. Jänner 2028 soll sie im Metropolitan Museum of Art zu sehen sein.

Kein Lückenbüßer nach dem Galliano-Eklat

Die neue Schau ersetzt die ursprünglich für 2027 geplante Ausstellung über John Galliano. Diese wurde nach heftigen Kontroversen abgesagt. Für Bolton war die Suche nach einem Ersatzthema offenbar alles andere als einfach.

"Ich hatte keinen Plan B", räumte der Kurator gegenüber "Vogue" ein. Eine Ausstellung, die bloß eine Reihe berühmter Meisterwerke aneinanderreiht, sei für ihn nicht infrage gekommen. Das neue Konzept sollte genauso anspruchsvoll, provokant und schön werden wie die ursprünglich geplante Galliano-Schau.

Und tatsächlich: Hinter Jeans und T-Shirts steckt eine klare Botschaft. Es geht um die Frage, was Mode wertvoll macht – das teure Material, der große Name oder vielmehr die kreative Idee dahinter?

Von Papierkleidern bis zu Luxus aus Wegwerfmaterial

Inspiriert wurde Bolton unter anderem von der Ausstellung "Costume Art" aus dem Jahr 2026. Sie stellte den bekleideten Körper in den Mittelpunkt und lenkte den Blick darauf, wie wir Kleidung im Alltag erleben: durch Bewegung, Berührung, Gewohnheiten und Sinneseindrücke.

Auch aktuelle internationale Laufstegtrends passen zum neuen Motto. Statt möglichst lauter Inszenierungen rücken wiedererkennbare Kleidungsstücke und individuelle Styling-Ideen in den Vordergrund.

Ein wichtiger Impuls kam laut Bolton auch von der Herbstkollektion 2024 des japanischen Designers Jun Takahashi für Undercover. Inspiriert vom Film "Perfect Days" von Wim Wenders zeigte er, wie viel Poesie in alltäglichen Routinen steckt. Seine unscheinbar wirkenden Kleidungsstücke wurden durch raffinierte Collagen und Schichttechniken zu außergewöhnlichen Kreationen.

Auch Virgil Abloh, Gianfranco Ferré, Jonathan Anderson und Pierpaolo Piccioli sollen in der Ausstellung vertreten sein. Ihre Entwürfe zeigen, wie unterschiedlich sich Klassiker neu interpretieren lassen – vom weißen Hemd bis zum voluminösen Daunenkleid.

Besteck und Porzellan werden plötzlich Haute Couture

Ganz ohne spektakuläre Hingucker wird die Met Gala 2027 aber wohl nicht auskommen. Besonders ungewöhnlich wird es im Ausstellungsteil "Common Matter". Dort geht es um vermeintlich wertlose Materialien und deren Verwandlung in Mode.

Maison Margiela soll dabei eine wichtige Rolle einnehmen. Zu den angekündigten Überraschungen zählen ein Ensemble aus zerbrochenem Porzellan sowie Kleider von Ellen Hodakova Larsson, die von Besteck inspiriert sind.

Die Botschaft dahinter: Ein Papierkleid kann genauso viel handwerkliches Können erfordern wie eine aufwendig gefertigte Seidenrobe. Entscheidend sei nicht der Preis des Materials, sondern die Arbeit, die in seiner Verwandlung steckt.

Damit bekommt die Schau auch eine gesellschaftliche Dimension. Wiederverwendung, Rekonstruktion und Ressourcenschonung werden zu zentralen Themen. Was werfen wir weg? Was übersehen wir? Und welchen Dingen messen wir eigentlich zu wenig Wert bei?

kiky, 06.11.2026, 12:45
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