Das ging schnell

Nach 16 Monaten: Balenciaga wirft Star-Designer raus

Große Hoffnungen, schnelles Ende: Pierpaolo Piccioli muss Balenciaga verlassen. Was hinter dem überraschenden Aus steckt, bleibt offen.
06.11.2026, 09:28
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Es sollte eine neue Ära werden – doch sie war schneller vorbei als erwartet: Pierpaolo Piccioli verlässt das französische Luxusmodehaus Balenciaga. Gerade einmal 16 Monate stand der italienische Designer an der kreativen Spitze der Marke. Nach drei Prêt-à-porter-Kollektionen und einer Haute-Couture-Schau ist Schluss.

Der Luxuskonzern Kering, zu dem neben Balenciaga auch Gucci, Saint Laurent und Bottega Veneta gehören, gab am Donnerstag die Trennung bekannt. Über die Hintergründe schweigt das Unternehmen. Ob Piccioli selbst gehen wollte oder die Entscheidung bei Kering fiel, bleibt ebenfalls offen. Die Vermutung liegt jedoch bei Zweiterem, denn auf der Konzernwebsite wird ihm für seine Arbeit gedankt und gleichzeitig angekündigt, dass eine Nachfolge bereits in Kürze bekannt gegeben werden soll.

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Ein Abschied mit emotionalen Worten

Piccioli selbst meldete sich auf Instagram zu Wort. In einem ausführlichen, emotionalen Beitrag sprach er über seine tiefe Verbundenheit mit der Couture. Dazu wählte er ein Zitat des italienischen Regisseurs Pier Paolo Pasolini: "They will teach you not to shine. And you shine, instead." Sinngemäß: Man wird dir beibringen wollen, nicht zu strahlen. Doch du strahlst trotzdem.

Ein Satz, der angesichts seines abrupten Abgangs eine besondere Note bekommt.

Zurück zu den Wurzeln – das war der große Plan

Die Erwartungen an Piccioli waren hoch. Nach 25 Jahren bei Valentino galt er als Idealbesetzung, um Balenciaga wieder stärker an seine Wurzeln als Haute-Couture-Haus heranzuführen. Schließlich war Gründer Cristóbal Balenciaga einer der bedeutendsten Couturiers des 20. Jahrhunderts. 1937 gründete er sein Pariser Modehaus, nachdem er zuvor in Spanien Ateliers betrieben hatte.

Nach seinem Tod 1972 prägten unterschiedliche Designer die Marke. Besonders Nicolas Ghesquière verlieh ihr eine unverwechselbare Handschrift. Zuletzt setzte Demna Gvasalia auf Provokation, Ironie und bewusstes Spiel mit den Erwartungen der Modewelt.

Übergroße Anzüge, Sneaker, Taschen im Look von Einkaufstüten und Müllsäcken oder spektakuläre Auftritte auf dem roten Teppich: Demna machte Balenciaga zum Gesprächsthema weit über die klassische Luxusmode hinaus. Für Aufsehen sorgte etwa Kim Kardashians vollständig verhüllter schwarzer Look bei der Met Gala 2021. Die Strategie funktionierte: Eine junge, modebewusste Kundschaft entdeckte das Label neu.

Zu romantisch für die neue Balenciaga-Kundschaft?

Mit Piccioli sollte wieder mehr Handwerkskunst, Eleganz und Couture-Gefühl einziehen. Der Italiener war bei Valentino für poetische Farbwelten, dramatische Volumen und fließende Silhouetten gefeiert worden. Sein Debüt für Balenciaga zur Frühjahr/Sommer-Saison 2026 wurde entsprechend begeistert aufgenommen.

Doch danach wurde die Kritik lauter. Den folgenden Kollektionen fehlte es manchen Beobachtern zufolge an einer eigenständigen Handschrift. Statt einer klaren neuen Vision sei ein Mischstil aus Picciolis romantischer Ästhetik und Demnas subversivem Erbe entstanden. Auch die lässige Coolness, die Balenciaga zuletzt ausgezeichnet hatte, vermissten Kritiker.

Besonders die Entwicklung des Herrengeschäfts soll unter Picciolis Ägide enttäuscht haben. Der Designer, der für seine elegante, beinahe poetische Mode bekannt ist, schien nicht ganz zum strategischen Kurs des Hauses zu passen.

Luxusmode mit Tempo

Picciolis Abgang ist mehr als nur ein weiterer prominenter Designerwechsel. Er steht auch für eine Branche, in der Geduld offenbar zum Luxusgut geworden ist. Bei Kering gab es zuletzt zahlreiche personelle Veränderungen an den kreativen Spitzen großer Modehäuser.

Die Botschaft ist deutlich: Wer nicht rasch für Aufmerksamkeit, Begehrlichkeit und entsprechende Geschäftszahlen sorgt, gerät unter Druck. Zeit, eine eigene Handschrift zu entwickeln und ein Modehaus langfristig neu auszurichten, scheint immer seltener gewährt zu werden.

Doch ob ein ständiger Wechsel an der Spitze tatsächlich mehr Innovation, Mut und Qualität bringt, ist fraglich. Denn große Modehäuser leben nicht nur von kurzfristigen Verkaufserfolgen, sondern auch von einer unverwechselbaren kreativen Vision.

kiky, Akt. 06.11.2026, 10:04, 06.11.2026, 09:28
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