Rund 20 Prozent der Bevölkerung in Österreich sind von Hörverlust betroffen. Dennoch bleibt das Bewusstsein für Hörgesundheit oft gering – ebenso wie die regelmäßige Vorsorge.
Eine aktuelle Umfrage zeigt: Zwar haben 8 von 10 Österreichern schon einmal einen Hörtest gemacht. Doch häufig geschieht das lediglich im Rahmen des Führerschein-Gutachtens. Dieser Test überprüft jedoch nur Teilaspekte des Hörvermögens und liefert daher keine umfassende Aussage über die tatsächliche Hörleistung.
Viele Menschen zögern, ihr Gehör überprüfen zu lassen. Noch immer sind Hörschwäche und Hörgeräte mit Vorurteilen behaftet. Dabei kann ein spätes Abklären schwerwiegende Folgen haben. "Hörverlust kommt selten plötzlich", erklärt Maximilian Schwabegger, Hörakustikmeister in Oberösterreich. "Meist entwickelt er sich schleichend. Betroffene gewöhnen sich daran – bis Gespräche anstrengend werden oder Angehörige auf die Hörprobleme aufmerksam machen."
Dabei beeinflusst eine Hörminderung nicht nur das Sprachverstehen. Sie wirkt sich auf Kommunikation, soziale Teilhabe und Lebensqualität aus. Bei Kindern kann sie die Sprachentwicklung beeinträchtigen, im höheren Alter steigt unter anderem das Risiko für Demenz, Stürze und soziale Isolation.
- Sie verstehen andere nur schwer, besonders in lauter Umgebung?
- Zuhören strengt an?
- Stellen Sie Fernseher, Radio und Handy lauter als früher?
- Andere sagen, Sie sprechen ungewöhnlich laut?
- Sie hören ein Klingeln, Summen oder Pfeifen im Ohr?
Treffen ein oder mehrere Punkte zu? Dann ist es Zeit, genauer hinzuhören.
Hörverlust ist längst nicht mehr nur ein Thema des Alters. Zwar nimmt das Hörvermögen mit den Jahren natürlicherweise ab, doch auch Kinder und junge Erwachsene sind zunehmend betroffen. "Hauptursachen bei Jüngeren sind Lärmbelastung im Beruf, laute Freizeitaktivitäten, intensives Gaming und regelmäßiges Musikhören über Kopfhörer bei hoher Lautstärke", so Schwabegger.
Laut Weltgesundheitsorganisation (WHO) sind rund 50 Prozent der 12- bis 35-Jährigen weltweit von Hörverlust bedroht – vor allem durch zu hohe Lautstärken.
Je früher Hörprobleme erkannt werden, desto besser lassen sich weitere Schäden vermeiden. Die WHO empfiehlt regelmäßige Hörtests – besonders für Menschen mit erhöhter Lärmbelastung oder ab dem 60. Lebensjahr.
Anlässlich des "Welttags des Hörens" am 3. März startet nun die Initiative "Österreich hört hin". Ziel ist es, das Bewusstsein für Hörgesundheit zu stärken und Hemmschwellen abzubauen.
Hinter der Initiative steht die Firma OPTICON, die rund 80 inhabergeführte Hörakustiker in Österreich unterstützt. Geschäftsführer Martin Decker erklärt: "Wir wollen Menschen motivieren, ihr Gehör beim HNO-Arzt oder Hörakustiker überprüfen zu lassen."
Auf der Webseite der Initiative stehen unter anderem ein Online-Selbsttest, ein Hörverlust-Simulator sowie ein Experten-Finder zur Verfügung. Weitere Aktionen sind geplant.