Ein Schnitzel, dazu ein großes Bier und vielleicht noch eine zweite Runde: Das Vergnügen leisten sich immer weniger Österreicher. Und jetzt kommt die nächste Teuerungswelle: Auf unsere Gastronomen rollt die nächste Preiserhöhung zu. Und ein Wirt verrät, wie sich das auf die Rechnung seiner Gäste auswirken könnte.
Thomas Mayr-Stockinger vom Gasthaus Stockinger in Kirchberg bei Mattighofen (OÖ) hat bereits nachgerechnet. Sein Ergebnis: Ein großes Bier könnte bei ihm künftig 5,70 Euro kosten. Das wären um bis zu 30 Cent mehr als bisher.
Hinter der drohenden Erhöhung steckt unter anderem die Brau Union. Österreichs größte Brauerei hat am Mittwoch eine neue Preisliste an ihre Gastronomiekunden verschickt. Im Durchschnitt steigen die Preise für ihre Produkte um 2,94 Prozent.
Als Grund nennt das Unternehmen höhere Kosten bei seinen Lieferanten. Auch Preissteigerungen bei Handelswaren und Dienstleistungen müssten weitergegeben werden, heißt es in dem Schreiben.
Für Wirte wie Mayr-Stockinger kommt das zur Unzeit. Denn das Bier ist längst nicht das Einzige, das mehr kostet.
Seit Oktober müssen Gastronomen aufgrund des neuen Kollektivvertrags höhere Personalkosten stemmen. Gleichzeitig sind die Ausgaben für Waren und den laufenden Betrieb gestiegen.
Mayr-Stockinger sieht deshalb kaum eine andere Möglichkeit, als seine Speisekarte erneut durchzurechnen.
Dabei betont der Wirt, dass von den Beträgen auf der Rechnung ein großer Teil gar nicht beim Betrieb bleibt. Seiner Rechnung zufolge machen Löhne, Steuern und andere Kosten rund 65 Prozent aus. Etwa 35 Prozent entfallen auf den Wareneinsatz.
Was viele Gäste besonders ärgert: Im Supermarkt gibt es Bier immer wieder zu günstigen Aktionspreisen. Im Gasthaus kostet dasselbe Getränk ein Vielfaches. Doch dieser Vergleich greift für Mayr-Stockinger zu kurz. Während der Handel mit Sonderangeboten Kunden anlocken kann, müssen Wirte ihre Getränke zu regulären Einkaufspreisen beziehen. Dazu kommen eben noch die Kosten für Personal und den Betrieb.
Genau diese Unterschiede sorgen bei Gastronomen für Frust. Denn sobald das Krügerl teurer wird, müssen sie sich vor ihren Gästen rechtfertigen.
Dass die Menschen genauer aufs Geld schauen, merkt Mayr-Stockinger schon länger. Die Gäste kommen zwar weiterhin gerne zum Essen, bestellen dazu aber deutlich zurückhaltender Getränke. Wo früher mehrere Runden Bier über den Tisch gingen, bleibt es heute oft bei einem oder zwei Getränken. Danach wird bezahlt und nach Hause gegangen.
Der Wirt nimmt das niemandem übel. "Ich verstehe die Menschen", sagt er. Schließlich seien die Gäste selbst von steigenden Lebenshaltungskosten betroffen. Für die traditionelle Stammtischkultur ist diese Entwicklung allerdings bitter.
"Wir können auch nichts dafür", betont der Gastronom. Österreich stecke in einer Lohn-Preis-Spirale, aus der es derzeit schwer sei auszubrechen.