Mit gut bezahlten Jobs im Ausland sollen Indonesier in den Ukraine-Krieg gelockt worden sein. Die Polizei ermittelt wegen Menschenhandels gegen 13 Verdächtige, darunter auch zwei Russen.
Statt einer zivilen Arbeitsstelle plötzlich an die Front: In Indonesien untersuchen die Behörden ein mutmaßliches Rekrutierungsnetzwerk, das Menschen unter falschen Versprechungen für das russische Militär angeworben haben soll.
Die Ermittler gehen dem Verdacht nach, dass Interessenten zunächst attraktive Arbeitsmöglichkeiten im Ausland angeboten wurden. Erst später sollen sie erfahren haben, dass sie als Söldner im Krieg gegen die Ukraine eingesetzt werden sollten, berichtet "ntv".
Insgesamt führt die indonesische Polizei fünf Verfahren wegen des Verdachts auf Menschenhandel. 13 Personen stehen unter Verdacht: zehn Indonesier, zwei russische Staatsbürger und ein Ukrainer.
Die mutmaßlichen Vermittler sollen ihre Angebote vor allem über soziale Netzwerke verbreitet haben. Wer Interesse zeigte, konnte sich über ein Online-Formular bewerben.
Anschließend nahmen die Anwerber laut Polizei Kontakt zu den Bewerbern auf und holten sie ab. Erst zu diesem Zeitpunkt sei ihnen mitgeteilt worden, dass es nicht um einen gewöhnlichen Job, sondern um einen Einsatz für die russischen Streitkräfte gehe.
Auch finanziell sollen die Angebote verlockend gewesen sein. Wie die indonesische Nachrichtenagentur Antara berichtet, wurden Einstiegsprämien von bis zu rund 31.000 Euro sowie Monatsgehälter von knapp 2.700 Euro in Aussicht gestellt.
Für Betroffene, die nach der Enthüllung des tatsächlichen Einsatzes nicht mehr mitmachen wollten, gab es laut den Ermittlern eine weitere Hürde. Wer die Rückreise in seinen Heimatort antreten wollte, musste demnach damit rechnen, die Transportkosten selbst übernehmen zu müssen.
Zusätzlich beschäftigt ein Bericht über einen möglicherweise getöteten Indonesier die Behörden. Am Wochenende erklärte eine Sprecherin des indonesischen Außenministeriums, man gehe Meldungen in sozialen Medien nach. Demnach soll sich ein indonesischer Staatsbürger dem russischen Militär angeschlossen haben, in die Ukraine geschickt worden und dort ums Leben gekommen sein.
Eine Bestätigung für den geschilderten Todesfall lag zunächst nicht vor. "Die indonesische Botschaft in Moskau untersucht und überprüft die Informationen, darunter die Identität und den Status der betreffenden Person", wurde die Sprecherin von Medien zitiert.
Ähnliche Vorwürfe gegen mutmaßliche Rekrutierer wurden bereits in anderen Ländern bekannt. In Kenia sollen Männer ebenfalls mit vermeintlich zivilen Arbeitsangeboten nach Russland gelockt worden sein. Statt der versprochenen Beschäftigung seien sie später an der Front in der Ukraine gelandet.
Im Februar nahm die kenianische Polizei einen mutmaßlichen Vermittler fest. Ihm wird vorgeworfen, 25 Landsleute unter falschen Voraussetzungen angeworben zu haben.
Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International berichtete im September auch über vergleichbare Fälle aus Brasilien, Kolumbien, Somalia, Südafrika und Sri Lanka.
Demnach wurden Menschen unter anderem Arbeitsplätze als Fahrer, Köche oder Sicherheitskräfte versprochen. Tatsächlich sollen sie anschließend beim russischen Militär gelandet sein.
Eine internationale Untersuchung der Menschenrechtsorganisation FIDH beschreibt ein Rekrutierungssystem mit weltweiter Reichweite. Laut dem Bericht sollen bereits 27.000 Menschen aus mehr als 130 Staaten davon erfasst worden sein.