Mehrere Einbrüche, Sachbeschädigungen und Autodiebstähle: Eine Jugendbande hält Anrainer und Geschäftsleute in Wien seit Monaten auf Trab. Doch die Justiz kann gegen die mutmaßlichen Täter kaum vorgehen – sie sind erst 13 Jahre alt und damit strafunmündig.
Bereits im Mai sorgte ein spektakulärer Vorfall in der Leopoldstadt für Aufsehen. Gegen 1.15 Uhr soll ein damals 13-jähriger Bub in die Tiefgarage eines Wohnhauses in der Ernst-Melchior-Gasse eingebrochen sein. Mit einem gestohlenen Ford fuhr er laut Polizei aus der Garage, beschädigte dabei eine Wand sowie das Fahrzeug selbst. Mehrere weitere Jugendliche flüchteten zu Fuß – "Heute" berichtete.
Der damals festgenommene Österreicher gab an, die Autoschlüssel von einem Freund erhalten zu haben. Nun wurde auch dieser mutmaßliche Komplize ausgeforscht. Wie die Polizei bestätigt, handelt es sich um einen 13-jährigen Staatsbürger aus Belarus.
Für die Staatsanwaltschaft Wien hat der Fall damit allerdings ein schnelles Ende gefunden: Weil beide Verdächtigen das 14. Lebensjahr noch nicht vollendet haben, wurde das Verfahren eingestellt. Kinder unter 14 Jahren gelten in Österreich nämlich als strafunmündig.
Für die Betroffenen ist das nur schwer nachvollziehbar. Anrainer und Geschädigte beklagen, dass sie teilweise auf den verursachten Schäden sitzen bleiben, obwohl die Jugendlichen nicht zum ersten Mal mit strafbaren Handlungen in Verbindung gebracht werden. "Die tanzen uns auf der Nase herum. Wann handelt endlich die Politik?", so ein Bewohner gegenüber "Heute".
Der Fall reiht sich in eine Entwicklung ein, die Polizei und Politik seit Jahren beschäftigt. Immer wieder sorgen Jugendbanden in Wien für Schlagzeilen. Fahrzeuge und Taxis werden aufgebrochen, Geschäfte und Apotheken geplündert, Kellerabteile und Garagen heimgesucht. Besonders brisant: Viele der mutmaßlichen Täter sind noch nicht strafmündig.
Längst betrifft das Problem nicht mehr nur klassische Kriminalitätsschwerpunkte wie Favoriten oder Floridsdorf. Auch Bezirke, die lange als vergleichsweise ruhig galten, verzeichnen einen Anstieg entsprechender Delikte.
Zuletzt wurde in Döbling eine Gruppe teils strafunmündiger Intensivtäter ausgeforscht, die für mehrere Einbrüche und Überfälle verantwortlich sein soll. Bezirksvorsteher Daniel Resch fordert deshalb ein Umdenken.
"Ja, Wien hat ein Problem mit Jugendgewalt. Ja, manche Täter werden immer jünger. Ja, unser System stößt bei einzelnen jugendlichen Intensivtätern offensichtlich an seine Grenzen. Und mir reicht's jetzt einfach", sagt Resch im Gespräch mit "Heute".
Die Polizei leiste hervorragende Arbeit und nehme die Jugendlichen immer wieder fest. "Nun braucht es dringend geeignete Maßnahmen, um auch gegen unter 14-jährige Intensivtäter vorgehen zu können", fordert der Bezirkschef. Das Justizministerium sei gefordert, entsprechende Lösungen vorzulegen.
Während die Debatte über mögliche Gesetzesänderungen weiterläuft, wächst bei vielen Wienern der Unmut. Denn die Schäden werden größer, die Täter immer jünger – und die Behörden können aktuell nur noch zusehen und sind de facto völlig machtlos.