Das Aus für drei geförderte Job-Projekte für Langzeitarbeitslose sorgt weiter für Aufregung. Betroffen sind 38 ehemals langzeitarbeitslose Personen, die derzeit im Rahmen dieser Projekte (Eibetex in Waidhofen/Thaya, Lima in Lilienfeld und die Landschaftspflege Schmidatal in Sitzendorf) auf einem geförderten Arbeitsplatz beschäftigt sind.
Das AMS Niederösterreich erklärt auf "Heute"-Anfrage ausführlich, warum die bisherigen Strukturen nicht fortgeführt werden.
"Der niederösterreichische Arbeitsmarkt erlebt tiefgreifende Veränderungen", heißt es in einer Stellungnahme. Die Arbeitslosigkeit steige, gleichzeitig würden die Betriebe dem AMS weniger freie Stellen melden. Besonders deutlich habe zuletzt die Zahl der langzeitbeschäftigungslosen Personen zugenommen.
Dabei gibt es innerhalb Niederösterreichs massive regionale Unterschiede. Ende August herrschte im Bezirk Zwettl mit einer Arbeitslosenquote von 3,0 Prozent laut AMS nahezu Vollbeschäftigung. In Wiener Neustadt ist die Quote dagegen um 0,2 Prozentpunkte auf 8,2 Prozent gestiegen.
Auch bei der Langzeitarbeitslosigkeit zeigt sich ein sehr unterschiedliches Bild. Der Anteil an der gesamten Arbeitslosigkeit liegt laut AMS zwischen 10,6 Prozent im Waldviertel und 19,4 Prozent in Neunkirchen.
Gleichzeitig werde sich der Arbeitsmarkt in den kommenden Jahrzehnten noch stärker verändern. Bis 2050 soll die Zahl der Erwerbspersonen zwischen 15 und 64 Jahren in Niederösterreich laut Statistik Austria um 6,4 Prozent zurückgehen.
Dass die Arbeitslosigkeit steigt und Betriebe gleichzeitig Personal suchen, sei dabei kein Widerspruch. "Steigende Arbeitslosigkeit und anhaltend hohe Arbeitskräftenachfrage können gleichzeitig auftreten, wenn Qualifikationen, regionale Verfügbarkeit oder Arbeitszeitmodelle nicht zu den Anforderungen der Betriebe passen", erklärt das AMS.
Genau hier will man künftig stärker ansetzen. Es brauche "gezielte Qualifizierung und Unterstützung, um arbeitsuchende Menschen und Betriebe besser zusammenzubringen".
Deshalb laufen die bisherigen Förderungen mit Jahresende aus. Gleichzeitig kündigt das AMS neue Angebote an, die sich stärker am regionalen Bedarf, an der Wirkung, der Erreichbarkeit und den Kosten orientieren sollen.
Für die 38 Personen auf geförderten Arbeitsplätzen gebe es eine Absicherung. "Die ehemals langzeitarbeitslosen Personen, die bei den genannten Projekten auf einen Arbeitsplatz beschäftigt sind, sind finanziell vom AMS abgesichert", betont das Arbeitsmarktservice. Die Stellen seien außerdem von Anfang an befristet gewesen und sollten den Einstieg in den regulären Arbeitsmarkt erleichtern. "Im besten Fall finden alle Arbeitskräfte einen Job am ersten Arbeitsmarkt", so das AMS. Gelinge das nicht, würden die Betroffenen wieder vom AMS betreut.
Auch Schlüsselkräfte könnten auf die AMS-Services zurückgreifen, falls kein direkter Wechsel in ein neues Dienstverhältnis gelingt. Parallel entwickelt das AMS mit regionalen Experten "Alternativangebote für langzeitarbeitslose und schwer vermittelbare Personen". Das können geförderte Jobs, aber auch spezielle Beratungsangebote sein. Mittelfristig sollen größere Trägerstrukturen für mehr Wirkung und organisatorische Stabilität sorgen.
Von den Grünen kommt scharfe Kritik. Landtagsabgeordnete Silvia Moser spricht von einem "Schlag ins Gesicht für Frauen im ländlichen Raum". Besonders Eibetex und Lima würden Menschen treffen, die ohnehin schlechte Chancen am Arbeitsmarkt hätten.
Aus dem Büro von FPÖ-Landesrätin Susanne Rosenkranz heißt es auf "Heute"-Anfrage, die Entscheidung liege in erster Linie beim AMS. Das Land könne wegfallende AMS-Mittel nicht ersetzen und müsse vorhandene Gelder "verantwortungsvoll" und "bedarfsorientiert" einsetzen.