Die Tiere im Tierpark Bern leben dank guter Pflege und angepasster Fütterung deutlich länger als ihre Artgenossen in freier Wildbahn. Doch genau das führt laut 20 Minuten dazu, dass die Population im Zoo immer älter wird. Ältere Tiere pflanzen sich weniger fort und nehmen Platz weg, der für Jungtiere gebraucht wird. Daher werden auch im Dählhölzli-Zoo ältere Tiere getötet, wie der Bund berichtet.
Eine Studie der Universität Zürich bestätigt: Die Tierbestände in Zoos weltweit sind stark überaltert. Das kann die Stabilität der Bestände gefährden.
"Fehlt Nachwuchs und sterben zeitgleich alte Tiere, sind irgendwann keine Tiere mehr da", erklärt Stefan Hoby, Tierarzt im Tierpark Bern, gegenüber der Zeitung. Deshalb setzt der Berner Tierpark laut Hoby auf ein "aktives Artenmanagement" mit "respektvoller Tötung". Die Tötungen sollen so schonend und stressfrei wie möglich ablaufen.
„Manchmal ist das sehr hart und traurig. Aber es ist eben ein Teil meines Jobs“Stefan HobyTierarzt, Tierpark Bern
Konkret heißt das: Ältere oder kranke Tiere werden gezielt getötet, damit jüngere Generationen eine Chance bekommen.
Von Tierschützern kommt scharfe Kritik. Der Berner Stadtrat Tobias Sennhauser, Sprecher der Tierrechtsorganisation "Tier im Fokus", hält das Vorgehen für rechtlich und ethisch höchst problematisch. "Tiere dürfen nicht wie austauschbare Objekte behandelt werden." Er fordert Alternativen zur Tötung sogenannter überzähliger Tiere und hat dazu einen politischen Vorstoß eingebracht.
Das ist übrigens kein Einzelfall: Laut europäischen Zooverbänden werden jedes Jahr Tausende Tiere getötet, weil sie nicht ins Zuchtprogramm passen oder kein Platz für sie vorhanden ist.