Drama am Großglockner

Kerstin (33) tot – Mutter nimmt ihren Freund in Schutz

Nach dem Tod einer 33-Jährigen am Großglockner steht ihr Partner vor Gericht. Die Mutter der Verstorbenen spricht von einer "Hexenjagd".
Newsdesk Heute
14.02.2026, 19:31
Loading...
Angemeldet als Hier findest du deine letzten Kommentare
Alle Kommentare
Meine Kommentare
Sortieren nach:

Kommentare neu laden
Nach oben
Hör dir den Artikel an:
00:00 / 02:45
1X
BotTalk

Der tragische Tod einer jungen Bergsteigerin am Großglockner beschäftigt nun das Gericht – und sorgt für heftige Diskussionen. Ab Donnerstag muss sich ihr Lebensgefährte am Landesgericht Innsbruck verantworten. Der Vorwurf: fahrlässige Tötung. Doch die Mutter der Verstorbenen stellt sich klar hinter ihn.

Im Jänner des Vorjahres gerieten Kerstin G. (†33) und ihr Partner bei einer Tour am Großglockner in eine Extremsituation. Dunkelheit, minus 8,6 Grad und Windböen in Orkanstärke machten den Aufstieg zur Qual. In rund 3.750 Metern Höhe war die 33-Jährige schließlich völlig erschöpft. Während ihr Freund abstieg, um Hilfe zu holen, blieb sie zurück – und erfror.

Die Staatsanwaltschaft Innsbruck wirft dem Angeklagten vor, seine Freundin im Stich gelassen zu haben. "Gegen 2 Uhr hat der Angeklagte seine Freundin schutzlos, entkräftet, unterkühlt und desorientiert circa 50 Meter unterhalb des Gipfelkreuzes des Großglockner zurückgelassen", so Oberstaatsanwalt Hansjörg Mayr. Laut Anklage soll er trotz ihrer Erschöpfung keinen Notruf vor Einbruch der Dunkelheit abgesetzt und auch keine Notsignale an einen vorbeifliegenden Hubschrauber gegeben haben.

Mutter weist Vorwürfe zurück

Die Mutter der Verstorbenen, Gertraud G., weist die Vorwürfe entschieden zurück – und kritisiert die öffentliche Darstellung ihrer Tochter. "Es macht mich wütend, dass Kerstin als kleines Dummerchen dargestellt wird", erklärt Gertraud G. im Interview mit der Zeit. "Kerstin war top trainiert. Und sie hat allein und auch mit ihrem Freund bereits weitaus schwierigere Klettertouren gemeistert."

Die 33-Jährige habe ihre Leidenschaft für die Berge in der Corona-Zeit entdeckt. Sie sei begeisterte Trailrunnerin gewesen und habe den Untersberg (1.972 Meter) in nur 38 Minuten hinunter bewältigt. "Kerstin lotete gerne ihre Grenzen aus." Gleichzeitig sei sie jedoch stets umsichtig gewesen. "Sie stand schon auf dem Großen Wiesbachhorn, 3564 Meter hoch. Daran sieht man, dass sie Hochtourenerfahrung hatte."

"Sie liebte Bergtouren"

Dass das Paar bei widrigen Bedingungen nicht umkehrte, erklärt die Mutter ebenfalls. "Kerstin war auch nachts in den Bergen unterwegs, weil sie tagsüber arbeiten musste", so die Mutter. "Sie liebte Bergtouren zum Sonnenaufgang und zum Sonnenuntergang. Die beiden waren für die Nacht ausgerüstet."

Besonders deutlich widerspricht Gertraud G. der Annahme, ihr Partner habe als allein verantwortlicher Führer agiert. "Wenn Kerstin nicht einverstanden war, haben sie eine Bergtour nicht gemacht", so die Mutter. "Deswegen hat er auch nicht verdient, als Führer in die Verantwortung genommen zu werden." Sie spricht von einer "Hexenjagd" gegen den Angeklagten.

"Entscheidungen gemeinsam getroffen"

Auch den generellen Vorwürfen gegen den Salzburger tritt sie entgegen. "Die beiden haben ihre Entscheidungen immer gemeinsam getroffen", verteidigt ihn Gertraud G. Und sie fügt hinzu: "Viele Menschen, die dem Freund von Kerstin Vorwürfe machen, waren nie in solch einer Lage. Ich wünsche ihnen, niemals in eine solche Ausnahmesituation zu kommen."

Ob der Angeklagte strafrechtlich verantwortlich ist, wird nun das Gericht klären. Für die Mutter bleibt vor allem eines: der Verlust ihrer Tochter – und der Wunsch nach einem fairen Umgang mit deren Lebensgefährten.

{title && {title} } red, {title && {title} } Akt. 14.02.2026, 19:40, 14.02.2026, 19:31
Jetzt E-Paper lesen