Für viele Österreicher gehört Italien auch heuer zu den beliebtesten Urlaubszielen. Doch an der Meerenge von Messina gibt es derzeit einen ungewöhnlichen Befund: Forschende der Universität Messina haben dort Vibrio vulnificus nachgewiesen.
Das Bakterium wird umgangssprachlich als "Fleischfresser-Bakterium" bezeichnet. Der Grund: Gelangt der Erreger über eine offene Wunde in den Körper, kann er schwere Haut- und Gewebeinfektionen auslösen. In besonders schweren Fällen drohen eine Blutvergiftung oder sogar eine Amputation.
Ganz neu ist der Nachweis allerdings nicht. Bereits eine 2005 veröffentlichte wissenschaftliche Untersuchung belegte das Vorkommen von Vibrio vulnificus in der Meerenge von Messina und im dortigen Plankton.
Besonders aufmerksam verfolgen Experten die Entwicklung, weil Vibrionen von steigenden Wassertemperaturen profitieren. Ab etwa 20 Grad können sich die Bakterien deutlich stärker vermehren.
Das Europäische Zentrum für die Prävention und die Kontrolle von Krankheiten (ECDC) weist deshalb auf das wachsende Risiko in warmen Küstengewässern hin. Steigende Meerestemperaturen könnten dazu führen, dass sich geeignete Lebensräume für Vibrionen ausweiten.
Auch außerhalb Italiens sind die Erreger bekannt. In der Nord- und Ostsee können Vibrionen bei entsprechend hohen Wassertemperaturen auftreten. Das Thema betrifft damit nicht nur Urlauber im Mittelmeer.
Wie ernst Infektionen verlaufen können, zeigen aktuelle Meldungen aus den USA. Dort wurden zuletzt zahlreiche Verdachts- und bestätigte Fälle registriert. Besonders betroffen ist Louisiana. Dort starben in diesem Jahr allein fünf Menschen an dem Bakterium.
Eine Infektion mit Vibrio vulnificus ist selten, kann aber einen schweren Verlauf nehmen. Besonders gefährdet sind ältere Menschen sowie Personen mit bestimmten Vorerkrankungen, darunter Diabetes oder Erkrankungen der Leber und des Herzens.
Wer offene Wunden hat, sollte deshalb beim Baden in warmen Küstengewässern besonders vorsichtig sein. Nach dem Schwimmen empfiehlt es sich zudem, Wunden gründlich mit sauberem Wasser zu reinigen.
Trotz der Schlagzeilen bedeutet der Nachweis nicht, dass Badegäste an der italienischen Küste grundsätzlich auf das Schwimmen verzichten müssen. Für gesunde Menschen ohne offene Wunden gilt das Risiko als gering.
Wer zu einer Risikogruppe gehört oder Verletzungen an der Haut hat, sollte hingegen besonders vorsichtig sein. Bei ungewöhnlichen Rötungen, Schwellungen, starken Schmerzen oder rasch fortschreitenden Hautveränderungen nach einem Bad im Meer ist eine rasche medizinische Abklärung wichtig.
Vor einem Badeausflug kann außerdem ein Blick auf den Vibrio Viewer des ECDC helfen. Dort lässt sich die aktuelle Situation an europäischen Küsten besser einschätzen.