Die Ermittlungen zum tödlichen Gewaltverbrechen an einer Mittelschule in Oberösterreich laufen auf Hochtouren. Während die Behörden die Hintergründe der Tat aufarbeiten, versucht ein Psychologe die massive Gewaltanwendung des mutmaßlichen Täters einzuordnen.
Der 29-jährige Vizedirektor soll am Freitag eine 28 Jahre alte Lehrerkollegin in der Bibliothek der Schule mit einem Dolch attackiert und anschließend mehrfach auf sie geschossen haben. Laut Psychologe Barnabas Neumayer könnte es sich dabei um einen sogenannten "Overkill" handeln.
"Ein 'Overkill', eine 'Übertötung', passiert, wenn starke Emotionen im Spiel sind", erklärt der Experte gegenüber der "Kronen Zeitung". In solchen Fällen gehe es dem Täter nicht mehr allein darum, das Opfer zu töten. "Er will das Gegenüber total vernichten."
Nach bisherigen Erkenntnissen soll der Mann Gefühle für seine Kollegin entwickelt haben. Die Frau habe seine Annäherungsversuche jedoch zurückgewiesen und zuletzt einen anderen Partner gehabt.
"Oft ist die Motivation, die aber unterbewusst abläuft, dass niemand anderes das geliebte Gesicht haben darf, wenn ich es nicht haben kann", sagt Neumayer zur "Krone". Solche Taten würden laut dem Psychologen meist nicht in diesem Ausmaß geplant. Vielmehr komme es während der Tat zu einem "Kontrollverlust".
Bist du von Gewalt betroffen? Hier findest du Hilfe
Frauenhelpline (rund um die Uhr, kostenlos): 0800 222 555
Männernotruf (rund um die Uhr, kostenlos): 0800 246 247
Rat auf Draht: 147
Autonome Frauenhäuser: 01/ 544 08 20
Polizei-Notruf: 133
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Die Bluttat selbst dürfte dennoch geplant worden sein. Der Vizedirektor soll eine erst vor Kurzem gekaufte Pistole sowie einen 18 Zentimeter langen Dolch in die Schule mitgebracht haben.
Nach dem Angriff soll er laut Staatsanwaltschaft Ried die Hände gewaschen, seine Kleidung gewechselt und den Dolch in der Bibliothek zurückgelassen haben. Anschließend habe er den Raum versperrt.
Die blutverschmierte Kleidung legte der 29-Jährige anschließend in den Kofferraum seines Autos und fuhr in Richtung seines Heimatorts Freinberg. Dort nahm er sich laut Ermittlern das Leben.
An der Mittelschule Taufkirchen läuft inzwischen die Aufarbeitung der Tragödie. Für Opfer und Täter werden getrennte Gedenkräume eingerichtet. Der Gedenkraum für die beliebte Geografie-, Mathematik- und Englischlehrerin soll dabei heller gestaltet werden.