Für Beschäftigte des Bodenabfertigers Airline Assistance Switzerland AG (AAS) am Flughafen Wien wird es ernst. Noch vor dem anstehenden Anbieterwechsel wurden erste Kündigungen ausgesprochen.
Die Gewerkschaft GPA bestätigte der APA am Donnerstag einen entsprechenden Bericht des Fachportals "Austrian Wings". Gleichzeitig laufen mit AAS Verhandlungen über einen Sozialplan. Die Gewerkschaft hofft, dass die Arbeitsplätze erhalten bleiben und es zu keiner Verschlechterung der Arbeitsbedingungen kommt.
Die Mutter einer betroffenen Mitarbeiterin erhebt in "Heute" nun schwere Vorwürfe. "Mehrere Mitarbeiter sind zum Quartal empathielos gekündigt worden", erzählt die Frau. Zum Teil hätten Mitarbeiter die Kündigung per Post, andere in einem Vier-Augen-Gespräch bekommen.
"Meiner Tochter hat die Stationsleiterin quasi über die Kollegin meiner Tochter ausrichten lassen, dass meine Tochter am nächsten Tag gekündigt wird. Nicht, dass meine Tochter dies nicht geahnt hat, weil natürlich freundschaftliche Bande innerhalb einer Bürogemeinschaft entstehen und solche Missstände natürlich durchsickern bzw. man auch versucht sich gegenseitig Trost auszusprechen, da die Stationsleitung hier absolut versagt hat", so die Frau.
Ob der Vorgangsweise und auch wegen ihres mentalen Zustandes wurde ihre Tochter krank geschrieben und ihr wurde die Kündigung per Boten zugestellt. "Meine Tochter war zehn Jahre lang in dem Unternehmen", erzählt die Mutter der betroffenen Mitarbeiterin. Das sei allerdings nur ein Beispiel, denn auch alle anderen Gekündigten hätte man lange im Ungewissen gelassen.
"Niemand hat eine würdige Wertschätzung oder Verabschiedung bekommen. Alle Gekündigten wurden sofort freigestellt. Meine Tochter bezieht bis Ende des Jahres ihr Gehalt + ein Bruttogehalt zusätzlich", sagt die Frau. Der Geschäftsführer von AAS habe laut Aussage der Mutter "durch Abwesenheit geglänzt, seine Unterschrift auf den Kündigungen ist elektronisch."
Die Betriebsratsvorsitzende beschreibt die Situation für die Beschäftigten gegenüber "Austrian Wings" als belastend: "Besonders belastend ist für die Belegschaft, dass bis zum bevorstehenden Wechsel mittlerweile weniger als ein Monat verbleibt und viele Mitarbeiter nach wie vor nicht wissen, ob und unter welchen Bedingungen es für sie weitergehen wird."
Besonders kritisch sieht die Personalvertretung die Diskrepanz zwischen den bisherigen Ankündigungen und der weiterhin offenen rechtlichen Situation.
Ende Juli war bekannt geworden, dass AAS die zweite Lizenz für die Bodenabfertigung am Flughafen Wien verliert. Den Zuschlag bekam die Joint Sky Service GmbH (JSS).
Im September hatte JSS noch erklärt, dass AAS weiterhin am Flughafen tätig bleiben soll. Das Unternehmen sollte als exklusiver Dienstleister für JSS den Passagierbereich übernehmen. Dadurch könne man "einen friktionslosen Übergang der Rampendienstleistungen auf uns sicherstellen", hieß es.
Eine schriftliche Zusage zur Übernahme der bisherigen AAS-Beschäftigten soll es allerdings noch nicht geben. AAS-Chef Dieter Streuli sei es wichtig, die Arbeitsplätze zu erhalten. Die bereits ausgesprochenen Kündigungen seien notwendig gewesen, um "arbeitsrechtliche Fristen" einzuhalten, heißt es in dem Bericht von "Austrian Wings".
JSS-Geschäftsführer Martin Stift verweist auf noch offene Urlaube und Abfertigungen bei AAS. Bevor er die verlangte Zusage abgibt, will er demnach eine Bestätigung, dass die entsprechenden Rückstellungen ebenfalls an JSS übergeben werden.
Zusätzlich läuft ein von AAS angestrengtes Verfahren gegen die Vergabe beim Bundesverwaltungsgericht. Solange dort keine Entscheidung gefallen ist, könne JSS "gar nichts machen", so Stift. Grundsätzlich sieht er die Übernahme der bisherigen AAS-Beschäftigten als "logisch und überhaupt kein Thema".
Für AAS läuft die bisherige Lizenz am 24. Oktober aus. Die Bewilligung für Joint Sky Services beginnt am 25. Oktober 2026 und gilt bis 22. Oktober 2033.
Sie umfasst die Gepäckabfertigung, die Fracht- und Postabfertigung sowie die Vorfelddienste.