"Bundesländergrenzen sprengen"

Landes-Chef legt radikal neues Gesundheits-Konzept vor

Das österreichische Gesundheitssystem galt lange als eines der besten Europas. Doch mittlerweile kracht es und die Politik ringt um Lösungen.
Newsdesk Heute
27.05.2026, 22:30
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Lange Wartezeiten auf Operationen, fehlende Kassenärzte und überlastete Spitäler sorgen für Frust im ganzen Land. Laut Umfragen ist nur jeder Zweite mit Österreichs Gesundheitssystem zufrieden. Obwohl Milliarden investiert werden und Österreich mehr als zehn Prozent seines Bruttoinlandsprodukts für Gesundheit ausgibt, spüren viele Menschen im Alltag davon wenig. Besonders dramatisch ist die Situation bei Facharzt-Terminen. Wer heute einen Termin beim Hautarzt, Orthopäden oder Neurologen braucht, muss oft monatelang warten.

Viele Patienten weichen deshalb auf teure Wahlarzt-Praxen aus. Kritiker sprechen längst offen von einer Zwei-Klassen-Medizin. Wer Geld hat, bekommt schneller Hilfe, wer nur auf die Kasse angewiesen ist, braucht Geduld. Ein großes Problem bleibt der Personalmangel. Sowohl in Spitälern als auch in der Kassenmedizin fehlen Ärzte und Pflegekräfte. Viele Mediziner wechseln wegen besserer Arbeitsbedingungen in den Privatbereich oder gehen ins Ausland. Gleichzeitig steigt durch die alternde Bevölkerung der Druck auf das System weiter an.

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Der Rechnungshof schlägt inzwischen Alarm

Vor allem in ländlichen Regionen wird es immer schwieriger, offene Kassenstellen überhaupt noch zu besetzen. Die Bundesregierung versucht gegenzusteuern. Seit 2026 werden digitale Gesundheitsangebote wie der elektronischen Mutter-Kind-Pass massiv ausgebaut. Auch Telemedizin und digitale Services sollen den Alltag für Patienten erleichtern und Wartezeiten reduzieren. Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf dem Ausbau der Primärversorgungszentren.  Doch trotz dieser Reformen wächst die Kritik. Der Rechnungshof schlägt inzwischen Alarm.

Die hohen Kosten würden die Versorgungssicherheit gefährden, warnen die Prüfer. Bund, Länder und Sozialversicherung verhandeln seit Monaten über neue Finanzierungsmodelle und Strukturreformen. Große Durchbrüche blieben bisher allerdings aus. Für zusätzliche Diskussionen sorgte nun Tirols Landeshauptmann Anton Mattle. Er präsentierte am Mittwoch eigene Reformvorschläge – vor allem eine "Finanzierung aus einer Hand". Die Finanzierung soll über die Landesgesundheitsfonds laufen, die gesamtstaatliche Steuerung beim Bund bleiben.

"Zusammengeführt in einen Topf, in eine Säule"

Mattle (ÖVP) war dazu am späten Mittwochabend live in der "ZIB2" bei ORF-Moderator Armin Wolf zu Gast. Mattle wolle die Patientinnen und Patienten "ganz in den Mittelpunkt" seines "Diskussionsbeitrags" stellen, hieß es. Ambulanzen und stationäre Bereiche sollten aus den Landesgesundheitsfonds finanziert werden, diese wiederum aus "den Mitteln der Steuerzahler, aus den Steuermitteln, und auch aus den Mitteln der Sozialversicherungen", so Mattle- Damit würden "bisher zwei getrennte Wege" künftig "zusammengeführt in einen Topf, in eine Säule".

Und wenn es aus einer Hand kommen solle, wer solle dann für Spitäler und Ärzte zuständig sein? "Es sind beide Säulen für die Patienten im intramuralen und extramuralen Bereich zuständig", so Mattle. "Bisher haben wir schon ein System, wo Patienten auch der Kosten wegen von einem Bereich in den anderen Bereich verschoben werden, das hört sich dann auf." Wozu brauche es dann noch die Sozialversicherungen? Für das Wissen in der Versorgung, aber auch für ihre Stimme in den Landesgesundheitsfonds, so der Tiroler Landeshauptmann.

"Hochwertiges Gesundheitssystem" sei finanzierbar

Aufgaben wie die Verhandlungen mit den Ärzten oder die Beschaffung von Medikamenten würde Mattle dann "auf der Bundesseite sehen". Was ändere sich dadurch für die Patienten? Die angedachte "Patientensteuerung" solle dafür sorgen, dass es eine zentrale Anlaufstelle gebe, bei welchem Arzt oder bei welchem Ambulatorium ein Besuch notwendig sei. So spare man nicht nur Ressourcen, sondern ermögliche auch schnellere Termine und vor allem kürzere Wartezeiten, so der Landes-Chef. "Es muss jetzt ganz einfach in die Umsetzung kommen."

Das "hochwertige Gesundheitssystem" Österreichs könne auch zukünftig finanziert werden, so Mattle, man müsse die Reform nur jetzt angehen. "Ich habe in meinem Papier auch ganz klar zum Ausdruck gebracht, dass diese Bundesländergrenzen auch tatsächlich gesprengt werden müssen, weil es zu Gesundheitsregionen führen wird", so Mattle. "Diese Regionen machen also durchaus schon Sinn", so Mattle. "Patienten gehen dorthin, wo Versorgung wohnortnahe ist und sie gehen dorthin, wo hohe Qualität angeboten wird."

{title && {title} } red, {title && {title} } Akt. 27.05.2026, 22:33, 27.05.2026, 22:30
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