"Ein Schildbürgerstreich"

Ludwig und Mikl-Leitner fordern Aus der Flugabgabe

Aufstand gegen die Flugabgabe! Wiens SPÖ-Bürgermeister und Niederösterreichs ÖVP-Landeshauptfrau stellen die 12-Euro-Abgabe infrage.
18.10.2026, 08:50
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Politischer Wirbel um die österreichische Flugsteuer! Ausgerechnet zwei mächtige Landeschefs von SPÖ und ÖVP stellen die umstrittene Abgabe jetzt infrage.

Wiens Bürgermeister Michael Ludwig (SPÖ) fordert eine Überprüfung, Niederösterreichs Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner (ÖVP) geht noch einen Schritt weiter: Sie will die Flugabgabe komplett streichen.

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Der Hintergrund ist ernst. Der Flughafen Wien-Schwechat kämpft mit sinkenden Passagierzahlen und wachsender Konkurrenz aus dem benachbarten Bratislava. Flughafen-Vorstand Günther Ofner schlägt deshalb Alarm.

Zwei Millionen Fluggäste weniger befürchtet

Wie die "Krone" berichtet, ist das Passagieraufkommen am Flughafen Wien zwischen Jänner und August um vier Prozent auf 20,57 Millionen Reisende zurückgegangen. Allein im August betrug der Rückgang demnach 6,9 Prozent. Für das Gesamtjahr erwartet der Flughafen rund zwei Millionen Fluggäste weniger.

Flughafen-Vorstand Günther Ofner sieht einen wesentlichen Grund in der österreichischen Flugabgabe. Derzeit werden bei Abflügen aus Österreich grundsätzlich 12 Euro pro Passagier fällig. Bei Kurzstrecken bis 350 Kilometer beträgt die Abgabe sogar 30 Euro.

Der Flughafen Bratislava, nur rund 55 Kilometer von Schwechat entfernt, ist nach Angaben Ofners bei den Kosten um etwa ein Drittel günstiger. Billigfluglinien reagieren bereits: Wizz Air hat Wien verlassen, Ryanair hat Flugzeuge nach Bratislava verlagert.

Ludwig: "Legitim und vernünftig"

Nun erhält Ofner Rückenwind aus der Politik: Wiens Bürgermeister Michael Ludwig verweist auf die wirtschaftliche Bedeutung des Flughafens für die Bundeshauptstadt.

"Wien lebt von seiner internationalen Erreichbarkeit. Gute Flugverbindungen sichern Arbeitsplätze, stärken Tourismus und Wirtschaft und sind ein wesentlicher Standortfaktor für unsere Stadt", erklärt der SPÖ-Politiker auf X.

Verlagere sich der Flugverkehr in benachbarte Regionen, gingen Arbeitsplätze, wirtschaftliche Wertschöpfung und letztlich auch Steuereinnahmen verloren.

Ludwig betont zwar, dass der Staat Einnahmen benötige, um öffentliche Leistungen zu finanzieren. Trotzdem müsse die Wirksamkeit der Ticketabgabe hinterfragt werden.

"Aber wenn eine Abgabe ihr Ziel verfehlt und dem Wirtschaftsstandort sowie den Menschen mehr schadet als nützt, dann ist es legitim und vernünftig, sie zu überdenken." Der Bürgermeister fordert daher eine "ehrliche Evaluierung", um Österreichs Wettbewerbsfähigkeit zu stärken.

Mikl-Leitner: "Ist ein Schildbürgerstreich

Deutlich weiter geht Niederösterreichs Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner. Sie spricht sich ausdrücklich für eine Abschaffung aus: "Die Flugabgabe ist ein Schildbürgerstreich", plakatiert sie auf einem KI-Bildchen fast zeitgleich mit Ludwig auf Facebook.

Es sei wichtig, "die Flugabgabe generell zu streichen. Denn diese Abgabe schwächt den Wirtschaftsstandort und vernichtet Arbeitsplätze", erklärt die ÖVP-Politikerin. Auch den Nutzen für den Klimaschutz stellt Mikl-Leitner infrage. "Denn die Passagiere fliegen dann von Bratislava ab und nicht in Schwechat", argumentiert sie.

Die Landeshauptfrau erwartet, dass zusätzliche Einnahmen durch mehr Tourismus einen Teil der wegfallenden Steuererträge ausgleichen könnten.

Regierung steht vor Budgetproblem

Die Forderungen kommen für die Bundesregierung zu einem schwierigen Zeitpunkt. Infrastrukturminister Peter Hanke (SPÖ) hatte der Luftfahrtbranche zuletzt eine Krisenhilfe von jährlich 30 Millionen Euro für das Doppelbudget 2027/28 zugesagt.

Für den Flughafen reicht diese Unterstützung nach eigener Einschätzung allerdings nicht aus, um den Rückgang der Passagierzahlen aufzufangen. Eine vollständige Abschaffung der Flugabgabe würde wiederum Einnahmen des Bundes kosten. Das Budget ist bereits angespannt.

Fest steht: Mit Ludwig und Mikl-Leitner wächst jedenfalls der parteiübergreifende Druck auf die Bundesregierung.

red, Akt. 18.10.2026, 08:51, 18.10.2026, 08:50